„Moin Moin, Matjes!“ – Bremen feiert den Saisonstart mit einem Fest auf dem Domshof

Ob sie für Matjes pur, mit Hausfrauensauce, Kartoffeln und grünen Bohnen oder Zwiebelringen schwärmen – Fans können anfangen, den Countdown herunterzuzählen. Am Dienstag, 11. Juni 2019, feiern die Niederländer als Erfinder der Heringshappen die Eröffnung der diesjährigen Matjessaison. Am Folgetag – Mittwoch, 12. Juni – kommen dann die Liebhaber in Bremen zusammen. Auch dieses Fest hat lange Tradition und doch ist diesmal alles anders. Fast.

Um Holländischer Matjes werden zu können, muss Hering „jungfräulich“ und besonders fett sein. (Nederlands Viesbureau)

Vor allem geht es nach wie vor um „Holländischen Matjes“, wie er von der Europäischen Kommission als „garantiert traditionelle Spezialität“ registriert ist. Die Formulierung zielt auf die Herstellungsart, die schon im Mittelalter entwickelt wurde: Salz und Eigenenzyme lassen den Hering reifen, der besonders fett und „jungfräulich“ sein muss, also weder Milch noch Rogen gebildet haben darf.
Davon abgesehen steht das Bremer Fest unter neuen Vorzeichen. Ein Beispiel: Seit 36 Jahren organisierte es der Förderkreis des Bremer Fischfachhandels um den 78-jährigen Händler Peter Koch-Bodes als „Tour de Matjes“. Jetzt übernimmt die M3B GmbH mit der Messe Bremen und dem Großmarkt Bremen die Verantwortung für „Moin Moin, Matjes“. „Ein Generationenwechsel stand an und mit unserem Know-how sind wir dafür die Richtigen“, kommentiert Andrea Rohde, Bereichsleiterin Fachmessen und Special Interest. „Wir wollen die Tradition erhalten und zugleich angemessen modernisieren.“
Wie nun aber den Matjes würdig zelebrieren? Die Pläne sind dafür weitestgehend fertig. „Zunächst mal verlegen wir die Veranstaltung von der Schlachte auf den Domshof, denn sie passt gut zu dem dort zeitgleich stattfindenden Wochenmarkt“, sagt Sabine Wedell, seit mehr als 20 Jahren Projektleiterin der Fisch-Fachmesse fish international.
Andere neue Ideen: Voraussichtlich bringt ein Lastenfahrrad die Matjesfässer untermalt von maritimer Musik auf den Domshof, sie werden nicht mehr gerollt. An einem runden Tisch nehmen ausgewählte Gäste Platz für eine Verkostung, die vom Bundesvorsitzenden des Fischfachhandels und Fischsommelier Patrick Schälte begleitet wird. Einen der Teller bekommt dann die Präsidentin der Bremer Bürgerschaft, Antje Grotheer. Den Kommentar übernimmt NDR-Moderator Yared Dibaba. Der gebürtige Äthiopier wuchs in Ganderkesee auf und ist unter anderem für sein perfektes Platt bekannt. Anschließend gibt es Kostproben für die Zuschauer. An diversen Ständen rund herum ist zudem traditionell oder modern zubereiteter Matjes zu haben. Dazu gibt’s Musik – von der Truppe der „Golden City Hafenbar“ auf der Weser-Halbinsel Lankenauer Höft.
Auch etwas unterhaltsame Fortbildung haben die Organisatoren geplant. Yared Dibaba wird bei Dr. Matthias Keller vom Fisch-Informationszentrum e. V. in Hamburg Matjes-Fakten erfragen. Die Umstehenden sollten gut zuhören – das sichert denjenigen Chancen in den beiden geplanten Quizrunden, die die Zettel mit den Fragen richtig ausfüllen. Sabine Wedell: „Aus den Bogen mit den richtigen Antworten lassen wir jeweils einen ziehen. Die Gewinner bekommen genügend Matjes für eine größere private Party.“
Das Holländische Fischbüro unterstützt das Fest in Bremen. Die Region sei besonders matjesaffin, erklärt Gerbrand Voermann vom Vorstand dieser Marketingorganisation der niederländischen Fischindustrie. Ohnehin ist Deutschland der größte Absatzmarkt für Matjes. Nach Zahlen des Fischbüros gehen hier von den rund 180 Millionen gefangenen Heringen 90 Millionen über den Tresen und damit mehr als in den Niederlanden selbst.
Mehr Infos ab Ende Mai unter www.moin-moin-matjes.de.