Agroforst-Brot aus der Lausitz: Regionale Wertschöpfung für Klima und Biodiversität
Seit Herbst 2025 ist das Agroforst-Brot aus der Lausitz erneut und nur für begrenzte Zeit im Handel erhältlich. Gebacken wird es zu 80 Prozent aus Mehl des sogenannten Champagnerroggens, der aus der Agroforstwirtschaft des Landwirts Thomas Domin stammt. Neu ist bei dieser Auflage nicht nur die Ausweitung der Anbaufläche, sondern auch die Verpackung: Das Brot wird erstmals in Bäckertüten aus Getreidestroh angeboten. Erhältlich ist das Agroforst-Brot in den Filialen der Bäckerei Wahn in der Lausitz und im Spreewald sowie im Hofladen des Landwirtschaftsbetriebes Domin.

Die Verkaufsaktion ist Teil der Initiative „…besser mit Bäumen!“, mit der das Projektteam von AgroWert-Regio des WIR!-Bündnisses Land-Innovation-Lausitz über Agroforstwirtschaft informiert. Agroforstsysteme verbinden Ackerbau mit Gehölzstreifen und verfolgen ökologische wie ökonomische Ziele. Das Projekt AgroWert-Regio war ein Verbundvorhaben des Deutschen Fachverbands für Agroforstwirtschaft (DeFAF), der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE), des Spreewaldvereins e.V. sowie der Praxispartner Bäckerei Wahn und Landwirtschaftsbetrieb Domin. Bis Ende Dezember 2025 wurde es im Rahmen des Forschungsbündnisses Land-Innovation-Lausitz umgesetzt und beschäftigte sich mit der wirtschaftlichen Inwertsetzung von Agroforstprodukten. Agroforstsysteme tragen unter anderem zum Schutz vor Bodenerosion bei, fördern die Biodiversität und binden Kohlenstoffdioxid als Beitrag zum Klimaschutz.
Auslöser für die zweite Kampagne rund um das Agroforst-Brot war der bundesweite Aktionstag zum Klimawandel in historischen Gärten und Parks, der Ende September 2025 auf dem Gelände der Baumuniversität in Branitz stattfand. In diesem Zusammenhang traf sich Anfang Oktober die Vermarktungsinitiative für Agroforstprodukte aus der Lausitz bereits zum dritten Mal. Ziel war es, bestehende und neue Vermarktungswege für Produkte aus Agroforstsystemen in der Region und darüber hinaus zu diskutieren.
Der verwendete Champagnerroggen stammt vom Betrieb von Thomas Domin, Landwirt und Agroforst-Pionier aus Peickwitz bei Senftenberg in der Niederlausitz. Nach der ersten erfolgreichen Vermarktungsaktion im Jahr 2024 erweiterte Domin die Anbaufläche für die aktuelle Kampagne. Der Champagnerroggen gilt als robust, an trockene Sandböden angepasst und gut backfähig. Gleichzeitig trägt der Anbau zur Erhaltung dieser selten gewordenen Roggensorte bei.
Die Rezeptur des Agroforst-Brotes entwickelte Philipp Fumfahr, Geschäftsführer der Bäckerei Wahn. Auf Anfrage stellt er das Rezept zur Verfügung. Gereinigt und gemahlen wird das Getreide von der regionalen Schälmühle der Gebrüder Kümmel mit Standorten in Vetschau und Burg im Spreewald. Damit erfolgen Anbau, Verarbeitung, Veredelung und Vermarktung vollständig regional – innerhalb eines Umkreises von rund 45 Kilometern.
Ein weiterer Bestandteil der Aktion ist die neu entwickelte Brottüte aus Getreidestrohfasern. Sie entstand im Rahmen des LIL-Projekts MEFAP, das sich mit der möglichst vollständigen stofflichen Nutzung klimaresilienter Fruchtarten befasst. Ziel ist es, unterschiedliche Bestandteile einer Pflanze gezielt zu verwerten – etwa Getreide für Lebensmittel, Fasern für Papier, Nebenprodukte für Biogas oder Humusaufbau. Die Agroforst-Brottüte besteht zu 85 Prozent aus regional erzeugtem Getreidestroh-Faserstoff und zu 15 Prozent aus Nadelholz-Zellstoff. Für die Markteinführung wurden 4.000 Tüten hergestellt, deren Materialqualität den technischen Anforderungen entspricht.
Mit der zeitlich begrenzten Vermarktungsaktion wollen die beteiligten Projektteams Erkenntnisse über die Wahrnehmung der Verbraucherinnen und Verbraucher gewinnen und gleichzeitig die Sichtbarkeit von Agroforstprodukten erhöhen. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels in der Lausitz sieht Luise Porst, Koordinatorin von Land-Innovation-Lausitz am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), in der Region ein geeignetes Umfeld für innovative Ansätze. Gerade unter schwierigen landwirtschaftlichen Bedingungen könnten neue Verfahren der Biomasseerzeugung und darauf aufbauende Wertschöpfungsketten erprobt und weiterentwickelt werden.
Projektpartner von AgroWert-Regio:
n Deutscher Fachverband für Agroforstwirtschaft e.V. (DeFAF)(Koordination)
n Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE)
n Landwirtschaftsbetrieb Domin
Das ähnlich interdisziplinär aufgestellte Projekt MEFAP startete im Januar 2023 und endete Ende des Jahres 2025. Es wurdekoordiniert vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), dessen Aufgaben die Abschätzung der Stickstoffverwertung, des Ertrags von Stängelmaterial und der Fruchterträge ausgewählter Nutzpflanzen; die chemische Analytik und spektroskopische Schnellmethoden; die ökonomische und ökologische Bewertung; sowie die Technologie und der Wissenstransfer in die landwirtschaftliche Praxis beinhalteten.
Projektpartner von MEFAP:
n Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) (Koordination)
n Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP), Forschungsbereich Polymermaterialien und Composite, Wildau
n TU Dresden, Institut für Pflanzen- und Holzchemie (IPHC)
n INDITRAC Maschinen- und Systementwicklung Dr. Thielicke, Halle/Saale
n Fibers 365, Lenningen
Förderhinweis:
Beide Projekte wurden im Rahmen des Forschungsbündnisses Land-Innovation-Lausitz (LIL) durchgeführt, welches vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Programm WIR! – Wandel durch Innovation in der Region gefördert wird. Land-Innovation-Lausitz (LIL) wird vom ZALF und der BTU Cottbus-Senftenberg koordiniert und zielt darauf ab, die Klimaanpassung der Landnutzung in der Lausitz mithilfe innovativer Technologien und nachhaltiger Nutzungsformen zu stärken. Dabei sollen Prinzipien der Bioökonomie zur Anwendung kommen, das heißt nachhaltige Nutzung von Biomasse oder biogenen Rohstoffen zur Herstellung von Produkten, Entwicklung von Anwendungen oder Bereitstellung von Dienstleistungen. Das Bündnis umfasst mehr als 60 Unternehmen und Institutionen aus Forschung, Wirtschaft, Landwirtschaft, Politik und Verwaltung. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Forschungs- und Entwicklungsprojekte liegen in den Innovationsbereichen Boden, Pflanze und Material, dem Integrationsbereich Kulturlandschaft sowie dem Querschnittsbereich Digitalisierung und Sensortechnik. Die Projektteams kommen jeweils aus Wissenschaft und Praxis und forschen unter anderem zu ressourceneffizienten Anbausystemen, trockenstressresistenten Anbaukulturen und biobasierten Kunststoffen.
