News

Hülsenfrüchte im Aufwind: Mehr Vielfalt für Äcker, Klima und Ernährung

Zum Internationalen Tag der Hülsenfrüchte am 10. Februar rückt das Potenzial eiweißreicher Kulturpflanzen für eine nachhaltigere Landwirtschaft und Ernährung in den Fokus. Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen, Soja und zunehmend auch Kichererbsen bereichern Fruchtfolgen, stärken die Bodengesundheit und liefern hochwertige pflanzliche Proteine. Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) engagiert sich mit Forschungsprojekten und Praxisnetzwerken dafür, Anbau, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Hülsenfrüchte in Brandenburg und bundesweit auszubauen.

image009.jpg
Kichererbsen aus Brandenburg: Hülsenfrüchte werden zunehmend in Deutschland angebaut. Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) fördert in verschiedenen Projekten den Anbau und die Entwicklung regionaler Wertschöpfungsketten für Hülsenfrüchte. Quelle: Kathrin Harms/ZALF

Bundesweit nehmen Hülsenfrüchte bislang nur einen vergleichsweise kleinen, wenn auch wachsenden Anteil der Ackerfläche ein. 2025 wurden rund 2,6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche für Körnerleguminosen verwendet. Seit 2014 hat sich diese Fläche zwar mehr als verdoppelt, insgesamt bleibt ihr Anteil jedoch gering. In Brandenburg stieg die Anbaufläche zuletzt auf etwa 33.800 Hektar, was einem Zuwachs von über sechs Prozent entspricht. Besonders verbreitet sind Erbsen, gefolgt von Süßlupinen und zunehmend auch Soja.

Parallel dazu wächst die Erntemenge: Für 2025 werden in Deutschland mehr als 440.000 Tonnen Erbsen erwartet – mehr als doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren. Dem gegenüber steht ein vergleichsweise niedriger Konsum. Der Pro-Kopf-Verzehr liegt unter zwei Kilogramm jährlich, während nachhaltigkeitsorientierte Ernährungskonzepte wie die „Planetary Health Diet“ rund 27 Kilogramm pro Person und Jahr empfehlen.

Forschung und Kooperation als Schlüssel

Hülsenfrüchte leisten einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Stabilität landwirtschaftlicher Systeme. Sie binden Stickstoff aus der Luft und machen ihn im Boden verfügbar, wodurch mineralische Stickstoffdünger eingespart werden können. Das entlastet Umwelt und Klima und verbessert langfristig die Bodenfruchtbarkeit. Zudem erweitern Leguminosen die meist von Getreide, Raps und Mais geprägten Fruchtfolgen und fördern die Biodiversität. Gleichzeitig liefern sie pflanzliches Eiweiß für eine stärker nachhaltigkeitsorientierte Ernährung.

Kichererbsen als neue Perspektive

Die Kichererbse galt lange als reines Importprodukt, gewinnt jedoch auch im Inland an Bedeutung. Aktuell wird sie in Deutschland auf etwa 1.300 bis 1.500 Hektar angebaut – mit steigender Tendenz. Sie steht exemplarisch für neue Kulturen, die schrittweise unter hiesigen Bedingungen erprobt und in regionale Wertschöpfungsketten integriert werden.

Im Projekt KIWERTa sowie im inzwischen abgeschlossenen Projekt LeguNet arbeiteten landwirtschaftliche Betriebe, Verarbeitungsunternehmen und weitere Partner bis Ende 2025 gemeinsam an der Praxiserprobung der Kichererbse. Im Mittelpunkt standen Sortenwahl, Anbaustrategien, Qualitätsanforderungen und erste Vermarktungswege – von der Direktvermarktung bis in die Gastronomie.

Ein zentraler Baustein ist der Kichererbsen-Ring in Nordostdeutschland, in dem rund 20 Betriebe ihre Erfahrungen austauschen und gemeinsam auswerten. Trotz bestehender Ertragsrisiken leisten sie wichtige Pionierarbeit, um Anbauwissen zu vertiefen und die Produktionssicherheit zu erhöhen.

Parallel dazu untersucht das ZALF im Projekt CiceRegio an den Standorten Müncheberg und Dedelow insgesamt 18 Kichererbsensorten. Die Ernte wird qualitativ bewertet und in Kooperation mit Praxispartnern weiterverarbeitet. Die Verbindung von Feldversuchen und praxisnaher Forschung gilt als entscheidend, da die Kichererbse hierzulande bislang keine etablierte Kulturpflanze ist.

Herausforderungen und Perspektiven

Für eine breitere Ausdehnung des Anbaus bestehen weiterhin strukturelle Hürden. Bei neuen Kulturen fehlen häufig standortangepasste Sorten, geeignete Aufbereitungs- und Verarbeitungsstrukturen sowie stabile Absatzkanäle. Forschung und Vernetzung spielen daher eine zentrale Rolle, um Anbauverfahren zu optimieren, Risiken realistisch zu bewerten und tragfähige regionale Wertschöpfungsketten aufzubauen.

In Brandenburg entstehen entsprechende Kooperationsstrukturen, in denen Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Wissenschaft eng zusammenarbeiten. Projekte wie LeguNet, CropCat, CiceRegio und LegumES fördern den Austausch zwischen Forschung und Praxis – unter anderem durch betriebliche Erhebungen, Versuche, gemeinsame Auswertungen und Feldtage.

Langfristiges Ziel ist es, regionale Wertschöpfung zu stärken und Hülsenfrüchte dauerhaft in Landwirtschaft und Ernährungssystemen zu verankern. Neue Vermarktungsansätze für regionale Produkte wie Kichererbsen sollen dazu beitragen, Erzeugung, Verarbeitung und Absatz nachhaltig miteinander zu verbinden.

Täglich Frisch: Online-Magazin Tutti i sensi
Täglich Frisch: Online-Magazin Tutti i sensi

Abonnieren Sie den unseren Newsletter

So erhalten Sie einmal wöchentlich eine Zusammenfassung aller Artikel.

Hiermit gebe ich mein Einverständnis, dass Cézanne Publishing/www.tuttiisensi.de mir regelmäßig Newsletter zusendet.

Wir senden keinen Spam! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung

.

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir Ihnen die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in Ihrem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von Ihnen, wenn Sie auf unsere Website zurückkehren, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für Sie am interessantesten und nützlichsten sind.