Bioland fordert eine Kurskorrektur für das Staatliche Tierwohl-Label

Der Bioland-Verband hält die gestern von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorgestellten Kriterien zum dreistufigen, freiwilligen Tierwohl-Label für Schweinefleisch sind für Deutschlands für  viel zu kurz gegriffen und kontraproduktiv für den Umbau der Nutztierhaltung hin zu mehr Tierschutz.

Bioland Verband

„Rund 20.000 Bio-Tierhalter, die bereits höchste Standards der artgerechten Tierhaltung praktizieren, werden bei diesem Kennzeichnungssystem ausgegrenzt. Statt das bewährte und vom Verbraucher gelernten System der Eierkennzeichnung auf den Fleischbereich anzuwenden und die höchste Label-Stufe der Bioerzeugung zuzuordnen, setzt Klöckner ein kompliziertes Kriteriensystem mit wenig Substanz für den Tierschutz durch. Engagierte Biobetriebe finden sich in keinster Weise in diesem System wieder“, kritisiert Jan Plagge, Präsident Bioland e.V.

„Ministerin Klöckner zementiert mit dem Label den Status Quo von Vollspaltenböden in der Schweinemast und verhindert Investitionen in den Umbau zu artgerechten Stallsystemen. Hintergrund sind die viel zu schwachen Kriterien der Einstiegsstufe, die Verbrauchern bessere Haltungsbedingungen vorgaukeln, als sie tatsächlich in den Ställen vorherrschen“, sagt Gerald Wehde, Leiter Agrarpolitik bei Bioland. Das Schwänzekupieren sowie das Abschleifen der Eckzähne sind in der Einstiegsstufe erlaubt, obwohl dies nach Vorgaben der EU bereits seit 2008 nur in absoluten Ausnahmefällen zulässig sein soll.

Bioland warnt Klöckner davor, für die aus Sicht des Tierwohls unzureichende Einstiegsstufe, Prämienzahlungen pro Schwein an die Landwirte zu zahlen. Geplant sind Zahlungen von insgesamt über 100 Millionen Euro. „Die Gelder für mehr Tierwohl müssen gezielt an diejenigen Betriebe fließen, die ein besonders hohes Niveau einer artgerechten Nutztierhaltung umsetzen und entsprechende Stallsysteme um- oder neubauen“, so Plagge.

Bereits im Herbst 2018 übten alle Agrarminister der Länder scharfe Kritik an Julia Klöckners Konzept zum staatlichen, freiwilligen Tierwohl-Label. Die Änderungsvorschläge der Länderressortchefs bestätigten die Forderungen von Bioland. „Es ist unbegreiflich und bedauerlich, dass die Ministerin sich der Empfehlungen aller Landesagrarminister entzieht,“ so Plagge.

Er sagt „Eine vollständige verpflichtende Fleischkennzeichnung mit Einstufung der gängigen Haltungssysteme analog der Kennzeichnung von Konsum-Eiern wäre statt eines freiwilligen Labels der richtige Weg. Nur dann kann der Verbraucher den gesetzlichen Mindeststandard überhaupt erkennen und zu höherwertigem Fleisch oder Biofleisch greifen. Dabei muss die höchste Stufe der Kennzeichnung ökologisch produziertem Fleisch vorbehalten sein. Dafür müssen alle gängigen Haltungssysteme in vier Stufen 0 (Bio), 1, 2, 3 (gesetzlicher Standard) analog der vom Verbraucher gelernten Eierkennzeichnung eingruppiert werden.“

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