Neuauflage der Gießener veganen Lebensmittelpyramide bietet wissenschaftlich fundierte Orientierung
Zahlreiche Studien zeigen, dass eine pflanzliche Ernährung mit einem geringeren Risiko für Übergewicht, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bestimmte Krebsarten verbunden ist. Vor diesem Hintergrund präsentieren das Forschungsinstitut für pflanzenbasierte Ernährung (IFPE) und die internationale Organisation Veganuary zum Start des veganen Januars eine überarbeitete Orientierungshilfe. Im Mittelpunkt steht die Neuauflage der Gießener veganen Lebensmittelpyramide. Sie soll zeigen, wie eine vollwertige pflanzliche Ernährung im Alltag langfristig umgesetzt werden kann. Die wissenschaftlich fundierte Darstellung richtet sich sowohl an VerbraucherInnen als auch an ErnährungsberaterInnen.

Praktische Orientierungshilfe für den Einstieg in die pflanzliche Ernährung
Die Gießener vegane Lebensmittelpyramide wurde erstmals 2018 unter der Leitung von Dr. Markus Keller am IFPE entwickelt (Weder et al., 2018). Sie wendet sich an Menschen, die sich pflanzlich ernähren möchten, und dient zugleich als fachlich fundiertes Instrument für die Ernährungsberatung. Gemeinsam mit Veganuary wurde die Pyramide nun in einer dritten Auflage vollständig neu aufbereitet. Sie bündelt aktuelle wissenschaftliche Ernährungsempfehlungen in anschaulicher Form. Zudem zeigt sie, wie eine pflanzliche Ernährung den Energiebedarf sowie die Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen bei gesunden Erwachsenen sicherstellen kann und unterstützt im Alltag bei der Planung von Mahlzeiten und Einkäufen.
So gelingt eine vollwertige vegane Ernährung
Die Lebensmittelpyramide verdeutlicht, wie eine abwechslungsreiche und bedarfsgerechte pflanzliche Ernährung aufgebaut sein sollte. Gemüse und Obst bilden die Basis und liefern Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Vollkornprodukte und Kartoffeln tragen zur Versorgung mit Kohlenhydraten, Protein, B-Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen bei. Für pflanzliche Milch und Milchproduktalternativen empfiehlt das IFPE insbesondere sojabasierte, calciumangereicherte Produkte. Hülsenfrüchte sowie weitere Proteinquellen wie Tofu, Tempeh oder Seitan liefern hochwertiges pflanzliches Protein, Eisen, Zink, Cholin und Ballaststoffe, während Nüsse, Samen und entsprechende Muse reich an ungesättigten Fettsäuren, B-Vitaminen sowie Mineral- und Ballaststoffen sind. Pflanzliche Öle ergänzen die Ernährung durch essenzielle Fettsäuren und Vitamin E.
In der Pyramide sind konkrete Verzehrs- und Mengenempfehlungen für die einzelnen Lebensmittelgruppen ausgewiesen. Darüber hinaus informiert sie über Nährstoffe, bei denen eine Supplementierung sinnvoll sein kann. Dazu zählen unter anderem Vitamin B12 und Vitamin D. Die Übersicht dient damit nicht nur der Orientierung, sondern auch der Prävention möglicher Nährstoffdefizite.
Lebensmittelpyramide folgt DGE-Referenzwerten für Nährstoffzufuhr
Die wissenschaftliche Grundlage der Gießener veganen Lebensmittelpyramide bildet ein vom IFPE entwickelter 14-tägiger Speiseplan. Dieser basiert auf alltagsnahen, saisonalen und regionalen Lebensmitteln und ist auf einen täglichen Energiebedarf von 2.100 Kilokalorien ausgelegt. In der aktuellen Neuauflage wird erstmals ein besonderer Fokus auf die Mikronährstoffe Cholin und Selen gelegt, die in bisherigen Studien zur veganen Ernährung nur unzureichend berücksichtigt wurden. Eine begleitende Fachpublikation zur aktualisierten Pyramide ist bereits in Vorbereitung.
Christopher Hollmann, Geschäftsführer von Veganuary Deutschland, betont den praktischen Nutzen der Zusammenarbeit: „Die Lebensmittelpyramide zeigt sehr anschaulich, welchen Grundprinzipien eine ausgewogene vegane Ernährung folgt. Und sie macht klar: Die Basis einer gesunden Ernährung – Gemüse, Obst, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchte – bleibt dieselbe. Im Grunde sind es nur wenige Zutaten, die sich mit dem Einstieg in eine pflanzliche Ernährung ändern.“
Auch Dr. Markus Keller, Leiter des IFPE, verweist auf die gesundheitlichen Effekte einer Ernährungsumstellung: „Studien zeigen, dass sich eine Umstellung auf pflanzliche Ernährung bereits innerhalb weniger Wochen positiv auf die Gesundheit auswirken kann, beispielsweise auf Risikomarker im Blut wie Gesamt- und LDL-Cholesterin, Blutzucker- und Entzündungswerte sowie auf Körpergewicht und Blutdruck. Unsere aktualisierte vegane Lebensmittelpyramide hilft dabei, eine vollwertige pflanzliche Ernährung in die Praxis umzusetzen. Dabei wurden sowohl die DGE-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr als auch ein langfristiger Gesundheitsnutzen hinsichtlich der Prävention ernährungsmitbedingter Erkrankungen berücksichtigt.“
