Tag des Deutschen Butterbrots – Bäcker statt Aufbäcker unterstützen

Am letzten Freitag im September würdigen die Deutschen jährlich ihre geliebte Stulle. Es ist der Tag des Deutschen Butterbrots und 2017 fällt dieser auf den 29. September. Anlässlich des Aktionstages ruft Slow Food Deutschland e. V. dazu auf, die außergewöhnliche regionale Vielfalt deutscher Brotkultur wertzuschätzen und das traditionelle Bäckerhandwerk zu bewahren. Im Ökodorf Brodowin bei Chorin lädt der Verein Verbraucher an diesem Tag dazu ein, die Zusammenhänge zwischen Herkunft, Zutaten und Verarbeitungsprozessen handwerklich hergestellten Brots und Butter zu erfahren.

Brot gehört in Deutschland zu den beliebtesten Grundnahrungsmitteln und ist fester Bestandteil unserer Esskultur. Die UNESCO hat die deutsche Brotkultur 2014 in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Und obwohl das deutsche Bäckerhandwerk zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Deutschlands zählt, sinkt die Zahl der Handwerksbäckereien stetig. An ihre Stelle treten Backshops und Discounter-Backstuben, die mit industriell vorgefertigten Teiglingen und unter Einsatz chemischer Hilfsmittel wie Enzymen und Emulgatoren anstatt mit handwerklich hergestellten Teigen arbeiten. Hinzu kommt das abgepackte Industriebrot in Supermarktregalen mit langen und bedenklichen Zutatenlisten.

Brot backen ist mehr als nur Mehl, Wasser und Salz zu mischen. Den zentralen Unterschied in Geschmack und Bekömmlichkeit eines ,guten‘ Brots machen die Qualität der verwendeten Getreidesorten und -mischungen, weitere Zutaten wie zum Beispiel Nüsse und Öle, die Backtechnik sowie die ausreichende Geduld für die Länge der Teigführung aus. Industrielle Schnellverfahren hingegen setzen auf kontrollierbare und kostengünstige Prozesse und Ergebnisse. Damit einher geht ein Qualitätsverlust der Deutschen Brotlandschaft, ein Weniger an regionaltypischen Brotrezepten und -sorten. „An die Stelle des Bäckers ist der ,Aufbäcker‘ getreten. Was nach Brot, Brezen und Brötchen aussieht, ist es nicht mehr,“ bedauert Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland, diese Entwicklung und appelliert an die Verbraucher: „Trotz des Qualitätseinbruchs bleibt die Nachfrage nach Brot bei den Deutschen konstant. Wir Verbraucher scheinen diesen Niedergang der Brotkultur stillschweigend hinzunehmen. Stattdessen aber sollten wir wieder bei traditionsbewussten Bäckermeistern einkaufen und einen angemessenen Preis für unser Brot zahlen, dafür, dass es selbst hergestellt und die Zutaten qualitätssichernd regional eingekauft wurden.“

Mit bundesweiten Aktionen, Aufklärungs- und Bildungsarbeit sowie dem Einsatz auf politischer Ebene setzt Slow Food Deutschland sich dafür ein, regionale Strukturen wie lokale, landwirtschaftliche und handwerkliche Produktionsstätten wie Bäckereien wieder zu stärken und aufzubauen. Das wirkt sich wirtschaftlich positiv auf ländliche Räume und Gemeinschaften aus und kommt dem Erhalt von Biodiversität, regionaler Ökosysteme und Kulturlandschaften zugute.
Direkter Link zu Slow Food.