Interview mit Stefania Lettini vom Feinkosthandel Lettinis in Düsseldorf
Tutti i sensi im Gespräch mit Stefania Lettini, die vor zwanzig Jahren in Düsseldorf ihren Feinkosthandel Lettinis gründete. Sie hat diesen seitdem zu einem vielfältigen Konzept mit einer breiten Palette an Veranstaltungen und Kooperationen ausgebaut. Dazu gehört unter anderem der immer Montags stattfindende italienische „Amore Monday“ im Verve in Krefeld oder auch der Organisation der Piazza Italia auf dem Düsseldorfer Gourmet Festival,

Von der Idee zum Lebenswerk
Tutti i sensi: Du hast Lettinis vor mehr als 20 Jahren mit der Vision gegründet, um ein Stück der italienischen Heimat Deines Vaters nach Düsseldorf zu holen. Was hat sich in all den Jahren bei Deiner Vorstellung von „authentischem Italien“ verändert – und was darf sich daran niemals verändern?
Stefania Lettini: Verändert hat sich vor allem meine Definition. Als ich angefangen habe, dachte ich, authentisch heißt typisch. Also: das, was man aus Italien kennt. Heute weiß ich, dass genau das der Irrtum ist. Italien ist kein Land mit einer Küche, es sind zwanzig Regionen, die sich in vielem nicht einig sind — und das ist keine Schwäche, das ist der ganze Reichtum. Ein Olivenöl aus dem Norden und eines aus dem Süden haben ungefähr so viel gemeinsam wie zwei Menschen, die zufällig denselben Nachnamen tragen.
Verändert hat sich auch mein Publikum. Vor zwanzig Jahren musste ich erklären, was Burrata ist. Heute muss ich manchmal erklären, warum die eine 4,90 kostet und die andere 12. Das ist eine schönere Arbeit, aber keine leichtere.
Was sich nie ändern darf: dass ich weiß, wer die Dinge gemacht hat, die bei mir im Regal stehen. Nicht die Firma. Die Person. Ich kenne Familien, bei denen ich seit Jahren am Küchentisch sitze, bevor ich eine einzige Palette bestelle. Das ist kein Marketing, das ist die Grundlage. In dem Moment, in dem ich anfange, Ware zu kaufen statt Menschen zu vertrauen, ist Lettinis nur noch ein Laden mit italienischen Etiketten.
Stefanias Leitspruch: Authentisch ist nicht, was typisch aussieht – Authentisch ist, wen man weiß, wer es gemacht hat.
Wohin geht die Reise?
Tutti i sensi: Mit dem neuen Konzept LETTINIS x AMORE PER GUSTO, Deinen Events, Medienauftritten und Deiner Arbeit als Genussbotschafterin ist Lettinis längst mehr als ein Feinkostfachhandel. Wo siehst Du die Zukunft von Lettinis – und welche Rolle möchtest Du selbst dabei in den nächsten Jahren spielen?
Stefanie Lettini: Lettinis war immer ein Ort, an dem Menschen länger bleiben, als sie eigentlich vorhatten. Genau daraus ist alles andere entstanden — die Events, die Bücher, die Arbeit als Genussbotschafterin. Der Laden ist nicht mein Endpunkt, er ist mein Ausgangspunkt.
Die Zukunft sehe ich weniger im Regal und mehr im Erlebnis. LETTINIS x AMORE PER GUSTO ist genau dieser Gedanke: Auf der einen Seite die kuratierte Auswahl, auf der anderen Seite die Vermittlung — Kommunikation, Strategie, Events, Formate, die Italien nicht dekorieren, sondern erklären. Der Handel allein trägt heute niemanden mehr. Was trägt, ist Vertrauen. Und Vertrauen entsteht nicht am Regal, es entsteht am Tisch.
Meine eigene Rolle beschreibe ich am ehesten als Übersetzerin. Ich stehe zwischen zwei Ländern, die sich mögen und trotzdem ständig missverstehen. Deutschland kauft Italien gerne als Gefühl. Ich möchte, dass es Italien als Können versteht — die Handwerker, die Regionen, die Unterschiede, die Arbeit dahinter.
Und ja, es zieht mich zunehmend nach Süden. Ich möchte in den nächsten Jahren mehr dort stattfinden, wo die Geschichten entstehen, statt sie nur nach Düsseldorf zu tragen. Gastgeberin sein, nicht nur Händlerin.
Stefania Lettini: Italien wird hier geliebt. Verstanden wird es selten.
Link: Lettinis: Wein & Feinkost aus Italien online ⋆ Lettinis
