Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030: „Voraussetzungen für nachhaltigeren Konsum verbessern!“

Zum gestrigen Weltverbrauchertag, forderte die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 (wpn2030): „Produktion und Konsum von Gütern sind und bleiben einer der ganz großen Hebel, um die Umsetzung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie endlich wirksamer voranzutreiben. Die Bundesregierung sollte daher ihre Bestrebungen deutlich intensivieren, um die Voraussetzungen für nachhaltigeren Konsum zu verbessern“, sagt Prof. Christa Liedtke, Co-Vorsitzende der wpn2030, forschend am Wuppertal Institut und an der Folkwang Universität der Künste.

Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 - Screenshot Tutti i sensi
Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 – Screenshot Tutti i sensi

Als eine zentrale wissenschaftliche Begleiterin deutscher Nachhaltigkeitspolitik empfiehlt die wpn2030 der Bundesregierung dafür acht konkrete Ansatzpunkte: Vom konsequenten Vorantreiben von Maßnahmen in zentralen Problemfeldern wie etwa Wohnen und Mobilität über die nachhaltige Gestaltung von Digitalisierung und Geschäftsmodellen bis hin zur Befassung mit individuellen Haltungen und den damit verbundenen Produktions- und Konsummustern.

Eine wpn2030-Arbeitsgruppe, geleitet von Prof. Joachim von Braun, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung, hat bestehendes Wissen sowie die politischen Rahmenbedingungen zu Konsum analysiert und hinsichtlich der Fruchtbarkeit für Nachhaltigkeitspolitik gebündelt zu dem Empfehlungspapier „Wissenschaftlicher Impuls für politische Akteure: Zur (Weiter-)Entwicklung transformativer Strategien für nachhaltigen Konsum“.

„Lebenswerte und nachhaltige Zukunft wird von uns Konsumenten entschieden. Der Druck zum Handeln ist groß und kann nicht vertagt werden“, betont Prof. Joachim von Braun. Die CO2-Emissionen privater Haushalte in Deutschland etwa stagnieren trotz gleichzeitig bestehender Effizienzsteigerungen; die globale Bekleidungstextilproduktion ist zwischen 2010 und 2014 um 60 Prozent angestiegen, während die Nutzungsdauer von Bekleidung um 50 Prozent zurückgegangen ist; Lebensmittel werden immer noch im großen Stil weggeworfen.

Von Braun betont, das Thema ist international und national auf der politischen Agenda installiert, etwa mit den 17 Sustainable Development Goals der UN (SDGs) und deren Ziel 12 „Nachhaltige/r Konsum und Produktion“ sowie mit dem „Nationalen Programm Nachhaltiger Konsum“ und dem „Deutschen Ressourceneffizienzprogramm“ der Bundesregierung. Allerdings, so von Braun: „Es gilt nun deutlich konsequenter in die Umsetzung zu gehen, und als eine Grundlage dafür haben wir acht Empfehlungen der Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 zur Förderung nachhaltigen Konsums erarbeitet.“ Diese lauten:

1. Konsequente Maßnahmen vorantreiben in zentralen Problemfeldern Wohnen, Mobilität und Ernährung.

2. Digitalisierung und digitalen Konsum gestalten, um nachhaltigen Konsum zu fördern.

3. Bestehende politische Strukturen für nachhaltigen Konsum konsequent nutzen und ausbauen.

4. Indikatoren und Maßnahmen in der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie zu Konsum weiterentwickeln.

5. Wirksamkeit der bestehenden Mechanismen zur Nachhaltigkeitsprüfung im Rahmen der Gesetzgebungsfolgenabschätzung prüfen und ausbauen.

6. Konsumseite der Kreislaufwirtschaft europäisch und global voranbringen.

7. Ansatzpunkte zur Förderung ethischen Handelns erarbeiten.

8. Forschung und Innovation für nachhaltigen Konsum fördern und durchführen. 

Die ausführlichen Empfehlungen zum Download sowie weitere Informationen und Hintergrundstudien: www.wpn2030.de/nachhaltiger-konsum

Die Wissenschaftsplattform Nachhaltigkeit 2030 ist ein zentrale Begleiterin der deutschen Nachhaltigkeitspolitik. Forschende verschiedener Fachrichtungen diskutieren hier – zusammen mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – drängende Fragen der Nachhaltigkeitspolitik und geben wissenschaftliche Impulse, insbesondere für die Umsetzung und Weiterentwicklung der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie. Weitere Informationen: www.wpn2030.de