Lidl zieht belasteten Kreuzkümmel aus dem Verkauf – foodwatch fordert weitere Rückrufe
Verbraucherschützer schlagen erneut Alarm wegen Pestizidrückständen in importierten Lebensmitteln. Im Fokus stehen diesmal Gewürze, die in deutschen Supermärkten verkauft werden. Nach Untersuchungen der Verbraucherorganisation foodwatch wurden in mehreren Produkten Rückstände von in der EU verbotenen Pestiziden nachgewiesen. Lidl hat bereits reagiert und eine betroffene Charge seines Kreuzkümmels der Eigenmarke Kania aus dem Verkauf genommen. Nun fordert foodwatch auch von Rewe und dem Gewürzhersteller Fuchs einen vorsorglichen Produktrückruf.

Lidl hat angekündigt, eine betroffene Charge des Kreuzkümmels der Eigenmarke Kania nicht weiter zu verkaufen. Hintergrund sind Laboruntersuchungen von foodwatch, bei denen zwei in der Europäischen Union verbotene Pestizide nachgewiesen wurden. Besonders auffällig war das Herbizid Flamprop, dessen Rückstand den zulässigen Grenzwert um mehr als das 200-Fache überschritt.
Nach Angaben von Lidl ergaben eigene Nachkontrollen zwar keine Auffälligkeiten. Nach einer umfassenden Risikobewertung habe sich das Unternehmen dennoch entschieden, das Produkt vorsorglich aus dem Sortiment zu nehmen. foodwatch begrüßt diesen Schritt und fordert vergleichbare Maßnahmen von Rewe und dem Gewürzhersteller Fuchs.
Im Chili-Mix von Rewe fand die Verbraucherorganisation insgesamt 22 Pestizide, darunter sieben Wirkstoffe, die in der EU nicht mehr zugelassen sind. Nach Berechnungen von foodwatch überschritt einer dieser Stoffe den geltenden Grenzwert. Rewe weist diese Einschätzung zurück und erklärt, das Produkt sei weiterhin verkehrsfähig.
Auch im Kreuzkümmel des Gewürzherstellers Fuchs wurden mehrere verbotene Pestizide nachgewiesen. Das Herbizid Flamprop lag dort laut foodwatch um das 165-Fache über dem zulässigen Höchstwert. Fuchs verweist auf eigene Analysen, bei denen keine Rückstände festgestellt worden seien, und sieht daher keinen Anlass für einen Rückruf.
Annemarie Botzki von foodwatch kritisiert die Haltung der Unternehmen. Hersteller und Händler stünden in der Verantwortung, unbelastete Lebensmittel anzubieten. Wenn in Europa verbotene Pestizide über importierte Rohstoffe wieder in den Handel gelangten, sei das aus Sicht der Verbraucherorganisation nicht akzeptabel. Rewe und Fuchs sollten deshalb dem Beispiel von Lidl folgen.
Die Ergebnisse stammen aus einem internationalen foodwatch-Labortest mit 64 Produkten aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich. Insgesamt enthielten 43 Proben und damit rund 67 Prozent Rückstände von Pestiziden, die in der EU nicht mehr zugelassen sind. Nach Angaben von foodwatch werden viele dieser Wirkstoffe weiterhin von Chemieunternehmen produziert und in Länder außerhalb der EU exportiert. Über importierte Lebensmittel gelangen sie anschließend wieder auf den europäischen Markt.
Die Verbraucherorganisation fordert deshalb eine Null-Toleranz-Regelung für Rückstände verbotener Pestizide in Importlebensmitteln. Zwar arbeitet die EU-Kommission derzeit an einer Überarbeitung der Vorschriften für Importware. Nach Einschätzung von foodwatch gehen die bisherigen Vorschläge jedoch nicht weit genug. Zudem lehnt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die aktuellen Pläne der EU-Kommission bislang ab.
Weitere Informationen hier:
foodwatch-Report mit allen Testergebnissen: https://www.foodwatch….spices.pdf
