Natura 2000 unter Druck: DVL fordert klimaangepasste Landschaftspflege
Der Klimawandel setzt Europas Schutzgebiete zunehmend unter Druck. Besonders sensible Lebensräume innerhalb des Natura-2000-Netzwerks reagieren auf Hitze, Trockenheit und Starkregen immer empfindlicher. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf, um die biologische Vielfalt langfristig zu sichern. Im Fokus stehen praxisnahe Anpassungsstrategien, die Naturschutz und Landwirtschaft stärker miteinander verbinden. Eine zentrale Rolle spielt dabei die extensive Beweidung, die artenreiche Kulturlandschaften stabilisieren und widerstandsfähiger gegen Klimafolgen machen soll.

Natura 2000 gilt als das europaweite Schutzgebietsnetz zum Erhalt gefährdeter Arten und Lebensräume. Nach Einschätzung des DVL geraten viele dieser Biotope jedoch zunehmend an ihre Belastungsgrenzen. Bereits heute seien zahlreiche Flächen durch nicht angepasste oder ausbleibende Bewirtschaftung geschwächt und könnten Wetterextreme nur noch eingeschränkt abpuffern.
„Wir müssen jetzt Maßnahmen für die Klimaanpassung gemeinsam und schrittweise umsetzen. Nur im Zusammenspiel von Landwirtschaft, Naturschutz und Politik kann es uns gelingen, die Natura-2000-Schutzgebiete als zentralen Baustein für den Erhalt der biologischen Vielfalt zu sichern“, erklärte Dr. Jürgen Metzner, Geschäftsführer des DVL.
Anpassungsstrategien für Schutzgebiete
Der Verband sieht verschiedene Möglichkeiten, um Schutzgebiete klimaresilienter zu gestalten. Dazu zählen angepasste Mahdzeiten, reduzierte Düngung und gezielte Beweidung. Gerade extensive Weidewirtschaft könne helfen, stabile Grasnarben zu entwickeln, die Wasser besser aufnehmen und speichern. Gleichzeitig trügen Weidetiere zum Erhalt artenreicher Kulturlandschaften bei.
Allerdings gerät auch die extensive Tierhaltung zunehmend unter Druck. Insbesondere die Schafbeweidung sei vielerorts wirtschaftlich kaum noch tragfähig. Wetterextreme wie lange Dürreperioden oder Starkregen erschwerten zusätzlich die Versorgung der Tiere mit ausreichend Futter und Wasser. Der DVL fordert deshalb eine bessere Vergütung für die Leistungen der Bewirtschaftenden sowie eine Weiterentwicklung der Agrarumweltmaßnahmen.
„Die Betriebe müssen im Zentrum unserer Bemühungen stehen, denn auf sie kommt es an“, betonte Metzner.
Praxisbeispiel aus Schleswig-Holstein
Wie Anpassungen in der Praxis aussehen können, zeigt die Bunde Wischen eG in Schleswig-Holstein. Der Bio-Rinderbetrieb hat auf seinen Weideflächen unterschiedlich gestaltete Wasserstellen angelegt, die auch bei wechselnder Wasserverfügbarkeit funktionieren. Gleichzeitig entstand dadurch ein neuer Lebensraum für den stark gefährdeten Laubfrosch.
„Beweidung ist einerseits eine zentrale Strategie für die Klimaanpassung von Natura 2000. Andererseits sind weidetierhaltende Betriebe ebenfalls davon herausgefordert und müssen Maßnahmen ergreifen“, erklärte Gerd Kämmer, Vorsitzender der Bunde Wischen eG und DVL-Vorstandsmitglied.
Nach Angaben des Betriebs habe sich zudem gezeigt, dass größere zusammenhängende Weideflächen notwendig seien, um Tiere auch unter veränderten Klimabedingungen ganzjährig versorgen zu können.
Modellprojekt bis 2028
Um konkrete Anpassungsstrategien zu entwickeln, führt der DVL das Projekt „Management von Natura 2000 im (Klima-) Wandel – Anpassungen mit naturbasierten Lösungen“ durch. Das Vorhaben läuft von März 2025 bis Februar 2028 im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz des Bundesumweltministeriums.
Gemeinsam mit Praxispartnern in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen werden Landnutzende und Weidetierbetriebe zu ihren Erfahrungen mit den Folgen des Klimawandels befragt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen bundesweit nutzbar gemacht werden und künftig als Grundlage für klimaangepasste Maßnahmen im Natura-2000-Management dienen.
Fördermittelgeber des DVL-Projekts „Management von Natura 2000 im (Klima-) Wandel – Anpassungen mit naturbasierten Lösungen“
Gefördert durch
- das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages
Kofinanziert durch
- das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM BW)
- das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Nordrhein-Westfalen (MUNV)
- das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur Schleswig-Holstein (MEKUN)
das Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten Thüringen (TMUENF)
