Abmahnung erfolgreich

Nach einer Abmahnung durch foodwatch hat der große Geflügelproduzent PHW die irreführende Bezeichnung “klimaneutral“ gestoppt. Zur PHW-Gruppe gehören zum Beispiel Marken wie Wiesenhof oder Bruzzler. Die Markierung “klimaneutral“ sei irreführend, da bei dem Unternehmen entstandene Emissionen nur durch zugekaufte Zertifikate ausgeglichen werden. Das Hähnchenfleisch wird nicht klimaneutral hergestellt.

Logo: foodwatch

foodwatch hatte PHW für die Bewerbung von Hähnchenfleisch als „klimaneutral“ abgemahnt. Die Organisation bewertet diesen Begriff als irreführend, insbesondere wenn damit Produkte mit hohen Treibhausgas-Emissionen wie Fleisch vermarktet werden. VerbraucherInnen könnten die Werbung so verstehen, dass sich die Produktion des Hähnchenfilets nicht schädlich auf das Klima auswirke. Tatsächlich werde das Hähnchenbrustfilet nicht emissionsfrei hergestellt. Vielmehr sollen die Emissionen lediglich mit zugekauften Klima-Zertifikaten ausgeglichen werden. Die Kompensationsprojekte könnten den Ausgleich der Emissionen jedoch nicht garantieren, so foodwatch. Die PHW-Gruppe erklärte einem Schreiben an foodwatch, bis zum 01.07.2022 aus der Kompensation ihrer Produkte mit CO2-Zertifikaten auszusteigen

„Wenn ausgerechnet Fleisch als besonders klimafreundlich beworben wird, zeigt das deutlich, wie irreführend Klimalabels sind. Gut, dass Wiesenhof die Klimalüge auf dem Hähnchenfleisch stoppt“, sagte Manuel Wiemann von foodwatch. „Immer mehr Produkte im Supermarkt schmücken sich mit Klimawerbung – in den meisten Fällen ist das dreistes Greenwashing. Die Bundesregierung muss sich in Brüssel für konsequente Gesetze gegen irreführende Klima-Versprechen einsetzen.“ 

Dreiviertel aller Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft entfallen auf die Tierhaltung. Es sei deshalb grundsätzlich irreführend, Fleisch als „klimaneutral“ zu bewerben, kritisierte foodwatch. Zudem sei bei Klimawerbung für die Verbraucher:innen in der Regel nicht ersichtlich, ob die Hersteller den eigenen Treibhausgas-Ausstoß ernsthaft reduziert haben. Viele Unternehmen rechneten ihre Produkte mit Hilfe von Kompensationsprojekten im globalen Süden klimafreundlich. Diesen „Ablasshandel“ bewertet die Organisation kritisch, da die bei der Produktion entstehenden Emissionen dadurch nicht rückgängig gemacht würden. Außerdem sei es fraglich, wie langfristig die Projekte CO2 binden könnten: Laut einer Studie des Öko-Instituts könnten nur zwei Prozent der Projekte ihre versprochene Klimaschutzwirkung „sehr wahrscheinlich“ einhalten.

Die PHW-Gruppe stellt das Hähnchenfleisch unter anderem im Auftrag von Rewe für die Eigenmarke Wilhelm Brandenburg her. foodwatch hatte sowohl Rewe als auch PHW abgemahnt. 

Die Europäische Kommission hat im März einen Entwurf für die Regulierung von Umweltwerbung vorgelegt. Wenn die Richtlinie vom Europarat und Europaparlament angenommen wird, müssten Unternehmen Vorgaben erfüllen für Klima-Werbung. foodwatch begrüßt die Initiative zum Schutz der Verbraucher:innen vor irreführender Werbung, sieht jedoch große Schlupflöcher im Gesetzesentwurf. So sei es weiterhin möglich, klimaintensive Produkte wie Fleisch, Heizöl und Einweg-Plastik als „klimapositiv“ zu bezeichnen.

Quellen und weiterführende Informationen: 

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