BierNews

Weltneuheit im Braukessel: Neue Hefe ermöglicht alkoholfreies Weissbier mit vollem Aroma

Die Entwicklung alkoholfreier Biere gilt seit Jahren als anspruchsvolle Disziplin im Brauwesen. Häufig stehen Brauereien vor der Herausforderung, Geschmack und Struktur trotz fehlenden Alkohols zu bewahren. Klassische Verfahren stoßen dabei technisch wie sensorisch an Grenzen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Forschung an neuen Hefestämmen zunehmend an Bedeutung. Nun ist einem bayerischen Traditionsunternehmen gemeinsam mit der Wissenschaft ein bemerkenswerter Durchbruch gelungen.

Jacob Horsch und Harald Ferstl – Quelle: Wilde & Partner

Mit „Alte Liebe Alkoholfrei“ bringt die Brauerei zum Kuchlbauer ein dunkles, alkoholfreies Weissbier auf den Markt, das auf einer neuartigen, biologischen Produktionsweise basiert. Grundlage ist ein bislang kaum genutzter Hefestamm aus der Forschung des Forschungszentrums Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität der Technische Universität München. Die Besonderheit: Die Hefe ermöglicht es, aromatische Gärprozesse früh zu nutzen, ohne dass dabei nennenswerte Mengen Alkohol entstehen.

Entdeckt wurde der Hefestamm Saccharomyces jurei im Rahmen einer sogenannten „Hefejagd“ auf der Rinde einer Esche in den Münchner Isarauen. Diese lokal gewonnene Hefe weist ungewöhnliche Eigenschaften auf: Sie produziert zunächst intensiv Aromen und setzt die Alkoholbildung erst stark verzögert ein – etwa zehn bis 14 Tage später als bei herkömmlichen Brauhefen. Brauer können so die Gärung gezielt stoppen, bevor relevante Alkoholmengen entstehen, ohne auf Geschmack verzichten zu müssen.

Bislang dominieren zwei Verfahren die Herstellung alkoholfreier Biere: der technische Alkoholentzug unter Vakuum – energieintensiv und kostenaufwendig – sowie der frühzeitig gestoppte Gärprozess, der oft zu höherem Restzuckergehalt führt. Der neue Ansatz mit Saccharomyces jurei erweitert diese Methoden um eine dritte, natürlichere Option.

Die praktische Umsetzung gelang nach rund zehn Jahren Forschung erstmals im industriellen Maßstab. In der Brauwerkstatt in Abensberg wurden zwei Sude benötigt, um ein sensorisch überzeugendes Ergebnis zu erzielen. Das fertige Bier zeichnet sich durch ein dunkles Weissbierprofil mit Aromen von roten Früchten und Nelke aus – ein Geschmacksbild, das bei alkoholfreien Varianten bislang selten erreicht wird.

Begleitet wurde das Projekt von Wissenschaftlern der TUM, darunter Dr. Mathias Hutzler und Oliver Kunz. Sie sehen in der Kooperation zwischen Forschung und Handwerk einen entscheidenden Erfolgsfaktor. Parallel konnte auch die Schwesterbrauerei Schlossbrauerei Sandersdorf das Verfahren adaptieren und ein untergäriges alkoholfreies Bio-Helles entwickeln.

Für kleinere und mittelständische Brauereien eröffnet die neue Hefe wirtschaftliche und ökologische Perspektiven. Im Vergleich zu technischen Entalkoholisierungsanlagen ist der Prozess deutlich energieeffizienter und erfordert keine hohen Investitionen. Gleichzeitig trifft das Produkt auf eine wachsende Nachfrage: Alkoholfreie Weissbiere gewinnen seit Jahren an Bedeutung – sowohl im Handel als auch in der Gastronomie.

Mit der Einführung von „Alte Liebe Alkoholfrei“ zeigt sich, dass Innovation im Brauwesen nicht ausschließlich über Technologie, sondern auch über Mikrobiologie vorangetrieben werden kann. Die Entdeckung aus den Münchner Isarauen könnte damit langfristig Einfluss auf die Produktionsstandards alkoholfreier Biere nehmen.

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