foodwatch mahnt Rewe und Lidl wegen Nachhaltigkeitswerbung für Lachsprodukte ab
Nachhaltigkeitssiegel auf Lebensmitteln sollen VerbraucherInnen Orientierung geben und Vertrauen schaffen. Gerade bei Fischprodukten spielen Aussagen zu Umweltstandards und verantwortungsvoller Produktion eine immer größere Rolle. Doch genau diese Werbeversprechen geraten nun erneut in die Kritik. Die Verbraucherorganisation foodwatch wirft den Handelskonzernen REWE Group und Lidl irreführende Nachhaltigkeitswerbung bei Lachsprodukten vor. Konkret geht es um Werbeaussagen rund um die Siegel ASC und GGN auf Produkten der Marken „Meine Lieblinge“ und Nautica.
foodwatch hat beide Unternehmen abgemahnt, weil aus Sicht der Organisation zentrale Nachhaltigkeitsversprechen für VerbraucherInnen nicht nachvollziehbar seien. Betroffen sind Lachsprodukte, die mit Aussagen wie „verantwortungsvoll produziert“, „umweltverträglich“ oder „nach sozialen Standards hergestellt“ beworben werden. Nach Auffassung von foodwatch bleibe jedoch unklar, welche konkreten Kriterien hinter diesen Begriffen stehen.
„Konzerne locken Verbraucher:innen mit wohlklingenden Nachhaltigkeitsversprechen und vertrauenserweckenden Siegeln, ohne offenzulegen, was dahintersteckt. Was Label wie ASC oder GGN vertuschen: Auch in zertifizierten Zuchtfarmen kommt es zu Ungezieferbefall und Massensterben“, erklärte Annemarie Botzki. VerbraucherInnen hätten ein Recht auf transparente und verständliche Informationen statt „grüner Werbelügen“.
Nach Darstellung von foodwatch fehlt auf der Verpackung des „Meine Lieblinge“-Lachses aus dem Sortiment von Rewe eine nachvollziehbare Erklärung, was unter den verwendeten Nachhaltigkeitsbegriffen konkret zu verstehen ist. Auch die auf der Verpackung verlinkte Website der Zertifizierungsorganisation ASC liefere keine ausreichenden Informationen über die tatsächlichen Anforderungen des Siegels.
Beim Lidl-Produkt mit GGN-Siegel kritisiert foodwatch insbesondere die eingeschränkte Rückverfolgbarkeit. Zwar suggeriere die Aufschrift „Woher kommt unser Fisch? Scannen Sie den QR-Code“ eine vollständige Transparenz, tatsächlich lasse sich das Produkt auf der Trackingseite jedoch lediglich bis zum Händler zurückverfolgen – nicht bis zur konkreten Fischfarm.
Darüber hinaus wirft foodwatch den Unternehmen vor, ein geschöntes Bild der industriellen Lachszucht zu vermitteln. Die Branche steht seit Jahren wegen hoher Besatzdichten, Parasitenbefall sowie Belastungen für umliegende Ökosysteme in der Kritik. Nach Angaben der Verbraucherorganisation seien auch zertifizierte Zuchtanlagen von Problemen wie Massensterben betroffen. Vor diesem Hintergrund hält foodwatch Begriffe wie „umweltverträglich“ oder „verantwortungsvoll produziert“ für irreführend.
Juristisch verweist die Organisation auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs. Dieser hatte 2024 betont, dass Unternehmen bei umweltbezogener Werbung klar erläutern müssen, was verwendete Umweltbegriffe konkret bedeuten. Gerade Begriffe wie „nachhaltig“ oder „umweltverträglich“ weckten bei VerbraucherInnen hohe Erwartungen und müssten deshalb besonders transparent erklärt werden.
Nach Ansicht von foodwatch verstoßen die beanstandeten Werbeaussagen gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Die Organisation wirft Rewe und Lidl sowohl Irreführung als auch unzureichende Verbraucherinformation vor.
Quellen und weiterführende Informationen
- foodwatch Deutschland
- REWE Group
- Lidl Deutschland
- Aquaculture Stewardship Council (ASC)
