Verbraucher

Fisch nachhaltig einkaufen: Acht Tipps für den Supermarkt

Mit dem Ende der Ferienzeit rückt für viele Verbraucherinnen und Verbraucher der Alltagseinkauf wieder in den Fokus. Gerade beim Fisch stellen sich dabei häufig ähnliche Fragen: Welche Produkte stammen aus nachhaltiger Herkunft, woran lässt sich das erkennen, und welche Angaben auf der Verpackung sind tatsächlich hilfreich? Verantwortungsvoller Fischeinkauf muss dabei nicht kompliziert sein. Bereits einige einfache Regeln der Initiative „Check deinen Fisch!“ können helfen, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen – sowohl an der Frischetheke als auch im Tiefkühlregal. Im Folgenden acht Tipps für den nachhaltigen Fischeinkauf im Alltag.

Nachhaltiger Fischeinkauf – Kundin an Fisch-Theke – Quelle: MSC

Kathrin Runge, Program Manager beim Marine Stewardship Council (MSC), verweist darauf, dass die Kaufentscheidung an der Theke oder im Kühlregal oft innerhalb weniger Sekunden falle. Da die wenigsten Menschen Unterschiede zwischen Fischarten, Fanggebieten oder Fangmethoden kennen, komme es vor allem auf eine verlässliche Orientierung an, die einen ökologisch verantwortungsvollen Einkauf erleichtert.

1. Auf unabhängige Zertifizierungen achten

Unabhängige Siegel bieten beim Einkauf eine schnelle Orientierungshilfe. Das blaue MSC-Siegel kennzeichnet Wildfisch aus zertifiziertem Fischfang, der unabhängig geprüft wurde und die Anforderungen des Marine Stewardship Council an eine ökologisch nachhaltige Befischung der Meere erfüllt. Das ASC-Siegel des Aquaculture Stewardship Council kennzeichnet dagegen Fisch- und Meeresfrüchte, die nach definierten Tierwohl-, Umwelt- und Sozialkriterien gezüchtet wurden. Wer beim Einkauf auf diese Siegel achtet, trifft auch ohne detailliertes Fachwissen eine Entscheidung für eine überprüfte Herkunft.

2. Nicht nur auf die Fischart schauen

Ob ein Fisch aus ökologischer Sicht empfehlenswert ist, lässt sich nicht allein anhand der Art beurteilen. Bei Wildfisch spielen Fanggebiet und Fangmethode eine wichtige Rolle, bei Zuchtfisch die Umwelt- und Sozialstandards des Herkunftsbetriebs. Sowohl bei Wildfang als auch bei Zuchtfisch lohnt sich daher ein Blick auf Herkunft und unabhängige Zertifizierungen.

3. Mehr Vielfalt auf den Teller bringen

Lachs und Thunfisch gehören zu den beliebtesten Fischarten. Wer gezielt auch andere zertifizierte Arten wählt, verteilt die Nachfrage und entdeckt gleichzeitig neue Geschmacksrichtungen. Gefährdete Arten wie der Europäische Aal sollten gemieden werden, da dessen Bestände bedroht sind und sich die Art in Gefangenschaft nicht vermehren lässt.

4. Saison ist nicht alles

Anders als bei Erdbeeren oder Spargel lässt sich Saisonalität bei Fisch nicht automatisch mit Nachhaltigkeit gleichsetzen. Auch bei saisonalen Meeresprodukten wie Matjeshering, Maischolle, Skrei oder Muscheln gilt: Entscheidend ist, ob Wildfisch aus regelmäßig überprüften Fangaktivitäten stammt oder Zuchtfisch unter Einhaltung strikter Kriterien erzeugt wurde. Unabhängige Zertifizierungen bieten hier die verlässlichere Orientierung.

5. Lebensmittelverschwendung vermeiden

Fisch gilt als hochwertiges Lebensmittel, das möglichst vollständig verwertet werden sollte. Es empfiehlt sich, nur so viel einzukaufen, wie tatsächlich benötigt wird. Wer ganze Fische zubereitet, kann Gräten und Karkassen etwa für einen Fischfond weiterverwenden.

6. Tiefkühlfisch bewusst nutzen

Tiefkühlprodukte sind häufig bereits sinnvoll portioniert und lassen sich direkt zubereiten. Zudem sind sie länger haltbar, was besonders für kleinere Haushalte von Vorteil sein kann, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

7. Fisch bewusst genießen

Ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche reichen aus, um von den ernährungsphysiologischen Vorteilen zu profitieren. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit hohem Anteil pflanzlicher Lebensmittel bildet weiterhin die Grundlage einer ausgewogenen Ernährungsweise.

8. Greenwashing vermeiden

Nachhaltigkeitsversprechen auf Verpackungen unterliegen künftig strengeren Vorgaben. Mit der ab dem 27. September 2026 geltenden EU-Richtlinie gegen Greenwashing werden pauschale Aussagen wie „umweltfreundlich“ oder „grün“ ohne nähere Erläuterung und Belege untersagt. Dadurch soll für Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Transparenz beim Einkauf entstehen und der Unterschied zwischen werblichen Umweltversprechen und unabhängig geprüften Zertifizierungen deutlicher werden.

Dennis Wittmann, General Manager DACH beim Aquaculture Stewardship Council (ASC), erläutert, dass ASC-zertifizierte Produkte Fischzuchtbetriebe unterstützen, die auf Ökosystemschutz, verantwortungsvollen Ressourcenumgang, Tierwohl und faire Arbeitsbedingungen setzen. So enthielten etwa Garnelen mit ASC-Siegel keine Antibiotika und würden ohne Abholzung von Mangroven produziert.

Fazit: Kleine Entscheidungen mit Wirkung

Ob an der Frischetheke oder im Tiefkühlregal: Nachhaltiger Fischeinkauf beginnt häufig mit einem kurzen Blick auf Herkunft und unabhängige Zertifizierungen. Wer zudem abwechslungsreich und in Maßen konsumiert sowie Lebensmittelverschwendung vermeidet, kann mit vergleichsweise einfachen Entscheidungen zum langfristigen Erhalt von Fischbeständen und Meereslebensräumen beitragen.

Über die Initiative „Check deinen Fisch“

Die 2019 von ASC und MSC gegründete Initiative „Check deinen Fisch“ (www.check-deinen-fisch.org) macht jährlich in einem DACH-weiten Aktionsmonat auf einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Fisch aufmerksam. Die diesjährige Aktion findet im gesamten September 2026 in Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam mit zahlreichen Partnern des Lebensmittelhandels statt.

Über den ASC

Das ASC-Nachhaltigkeitssiegel gilt als globaler Indikator für Transparenz in der Aquakultur und kennzeichnet Fisch und Meeresfrüchte, die nachweislich nach den Tierwohl-, Umwelt- und Sozialkriterien des Aquaculture Stewardship Council gezüchtet wurden.

Über den MSC

Das blaue MSC-Siegel kennzeichnet Wildfisch aus unabhängig geprüftem, ökologisch nachhaltigem Fischfang, der die drei Grundanforderungen des MSC-Umweltstandards erfüllt: den langfristigen Erhalt der Fischbestände, die Reduzierung von Auswirkungen auf das Meeresökosystem sowie eine wissenschaftlich fundierte Regulierung des Fischfangs.

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