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Von traditionellen Gerichten zum modernen Street Food: Emilia-Romagna kulinarisch entdecken

Die Emilia-Romagna verbindet jahrhundertealte Küchentraditionen mit einer lebendigen Street-Food-Kultur. Viele Spezialitäten, die ursprünglich aus der bäuerlichen Küche stammen, werden heute auf Märkten, Dorffesten oder in kleinen Imbissen angeboten. Neben bekannten Produkten wie Parmigiano Reggiano und Prosciutto di Parma lohnt sich dabei der Blick auf weniger bekannte regionale Spezialitäten. Von knusprigem Gnocco fritto über gefüllte Piadina bis zu hauchdünnen Borlenghi reicht die kulinarische Vielfalt. Zehn typische Gerichte zeigen, wie eng regionale Produkte, Geschichte und italienische Esskultur in der Emilia-Romagna miteinander verbunden sind.

Borgonovo im Val Tidone(PC), Chisola mit einem Glas Wein – Quelle: Visit Emila Romagna/Renato Bellinaso

Chisöla: Focaccia mit Geschichte

Im Val Tidone bei Piacenza gehört die Chisöla zum kulinarischen Erbe der Region. Die herzhafte Focaccia wird unter anderem aus Mehl, Grieben, Schmalz, Hefe, Wasser und Salz zubereitet und ist als traditionelles Agrar- und Lebensmittelprodukt anerkannt. Einer Legende zufolge soll die Bevölkerung bereits 1155 die Soldaten Friedrich Barbarossas mit Chisöla versorgt haben. Heute wird die Spezialität beim Festa d’la Chisöla in Borgonovo Val Tidone gefeiert. Dazu passen die Weine der Colli Piacentini, insbesondere der frische Ortrugo.

Erbazzone reggiano: bäuerliche Küche mit EU-Siegel

Der Erbazzone aus Reggio Emilia hat seine Wurzeln in der einfachen Landküche. Zwischen zwei Schichten ungesäuerten Teigs befindet sich eine würzige Füllung aus Spinat und Mangold, Zwiebeln, Schmalz, Semmelbröseln und Parmigiano Reggiano. Seit März 2026 trägt der Erbazzone reggiano die europäische g.g.A.-Bezeichnung. Heute wird er zu unterschiedlichen Tageszeiten gegessen – in Reggio Emilia sogar gerne zum Frühstück anstelle eines Croissants.

Gnocco fritto: knusprig und luftig

In Modena heißt er Gnocco fritto, in Parma Torta fritta: Die kleinen, goldbraun frittierten Teigstücke sind außen knusprig und innen luftig. Traditionell werden sie noch warm mit regionalen Wurst- und Schinkenspezialitäten wie Prosciutto di Parma, Prosciutto di Modena oder Salame Felino serviert. Ein Glas Lambrusco ergänzt den Imbiss. Wer sich intensiver mit dem berühmten Schinken beschäftigen möchte, kann im September das Festival del Prosciutto di Parma in Langhirano besuchen.

Tigelle: gemeinsames Essen als Ritual

Die kleinen Tigelle aus dem Apennin von Modena werden zwischen speziellen Platten gebacken und warm serviert. Dazu gehört traditionell das „Pesto modenese“ aus Schweineschmalz, Knoblauch und Rosmarin, häufig ergänzt durch Parmigiano Reggiano. Auf den Tisch kommen außerdem Prosciutto, Salame und Coppa. Gegessen wird gemeinsam: Jeder stellt sich seine eigene Kombination zusammen. Damit sind Tigelle weniger schneller Imbiss als geselliges Essen.

Borlenghi: hauchdünn und aromatisch

Die Borlenghi aus dem Modeneser Apennin bestehen aus einem sehr dünnen Teig aus Mehl, Wasser und Salz. Darauf kommt „Cunza“, eine kräftige Mischung aus Schmalz, Knoblauch und Rosmarin, sowie geriebener Parmigiano Reggiano. Zusammengeklappt und direkt aus der Hand gegessen, werden daraus knusprige Snacks. Besonders bei Herbstfesten rund um Kastanien und Trüffel sind sie zu finden.

Crescenta bolognese: Resteverwertung mit Tradition

Die Crescenta zeigt, wie aus einfachen Zutaten ein Klassiker entstehen kann. Ursprünglich wurde übrig gebliebener Brotteig mit Schmalz und dem würzigen Endstück des Schinkens, dem „Gambuccio“, verfeinert. Heute wird die luftige Focaccia unter anderem mit Pancetta, Prosciutto oder Mortadella Bologna g.g.A. serviert. In Zola Predosa bei Bologna steht die Mortadella vom 9. bis 11. Oktober 2026 beim Fest Mortadella Please im Mittelpunkt.

Coppia Ferrarese: Brot mit unverwechselbarer Form

Die Coppia Ferrarese g.g.A. aus Ferrara besteht aus zwei miteinander verbundenen Teigsträngen und erinnert optisch an ein Kreuz oder X. Die gedrehten Enden, die „Crostini“, werden besonders knusprig. Das Brot soll bereits im 16. Jahrhundert am Hof der Este serviert worden sein und begleitet heute unter anderem die Salama da Sugo g.g.A.

Tortelli alla lastra: quadratische Spezialität

Im Apennin der Provinz Forlì-Cesena wird der Tortello alla lastra traditionell auf einer heißen Platte gebacken. Der quadratische Teig wird mit Kürbis, Kartoffeln, Zwiebeln, Schmalz und Pecorino gefüllt. Ursprünglich als einfaches Gericht aus wenigen regionalen Zutaten entstanden, wird die Spezialität vor allem im späten Herbst und rund um Allerheiligen gegessen.

Piadina: Street-Food-Klassiker der Romagna

Die Piadina Romagnola gehört zu den bekanntesten Spezialitäten der Region und wird bis heute frisch an Kiosken und in Piadinerien zubereitet. Je nach Herkunft ist sie unterschiedlich dick: In der Gegend um Ravenna und Forlì-Cesena eher kräftiger, rund um Rimini dünner und knuspriger. Klassisch wird sie mit Squacquerone di Romagna, Prosciutto di Parma und Rucola gefüllt. Eine weitere Variante kombiniert gegrillte Sardoncini, Zwiebeln und Salat.

Cassone: die gefüllte Piadina

Der Cassone, regional auch Crescione genannt, ist die geschlossene Variante der Piadina. Der Teigfladen wird gefüllt, zusammengeklappt und anschließend auf der heißen Platte gebacken. Beliebt sind etwa die Varianten „Rosso“ mit Tomate und Mozzarella oder „Verde“ mit Mangold, Spinat und Wildkräutern. Zubereitet wird der Cassone meist direkt vor den Augen der Gäste – unkompliziert, regional und typisch für die Street-Food-Kultur der Romagna.

Weitere Informationen und kulinarische Tipps zur Emilia-Romagna bietet die offizielle Tourismusseite: Emilia-Romagna Turismo – Food Valley

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