{"id":26315,"date":"2023-10-13T11:56:25","date_gmt":"2023-10-13T09:56:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=26315"},"modified":"2023-10-16T09:24:10","modified_gmt":"2023-10-16T07:24:10","slug":"sylter-torf-in-der-whisky-herstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=26315","title":{"rendered":"Sylter Torf in der Whisky-Herstellung"},"content":{"rendered":"\n<p>Sch\u00f6n rauchig sollte er sein, der Whisky, den der Lantenhammer Brennerei und Mitbegr\u00fcnder von  SILD und sein Partner  Alexander Sievers vom Sylter Getr\u00e4nkespezialisten Weinheiliger brennen wollten. Wesentliche Grundlage f\u00fcr das besondere Aroma des Whiskys ist auch ein Abfallprodukt der lokalen Heidepflege, n\u00e4mlich Torf. Die Sylter Braugerste wird \u00fcber dem rauchenden Torf langsam gegart. Den letzten Schliff bekommt SILD durch die Lagerung in Holzf\u00e4ssern auf einem alten Kutter und in einem alten Bunker.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_0994.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"680\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_0994-1024x680.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26318\" srcset=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_0994-1024x680.jpeg 1024w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_0994-300x199.jpeg 300w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_0994-768x510.jpeg 768w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/IMG_0994.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sylter Torf &#8211; Foto:SILD<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Herbstnebel legt sich auf das dunkle Violett der Heide, von den windigen Geestr\u00fccken bis hinunter zum Wattenmeer. Das Naturschutzgebiet Braderuper Heide ist die gr\u00f6\u00dfte geschlossene Heidefl\u00e4che auf Sylt. Weit und wunderbar. Aber eine Wildnis? \u201eEs ist eine alte Kulturlandschaft\u201c<em>,<\/em>&nbsp;erkl\u00e4rt Dr. Roland Klockenhoff, langj\u00e4hriger Vorsitzender der Naturschutzgemeinschaft Sylt (NSG). \u201eSeit Jahrtausenden ist eine Nutzung nachgewiesen. Bis in die Nachkriegszeit wurde die Heide und der Heidetorf als Brennmaterial und Stalleinstreu genutzt, die Heide diente als Viehweide.\u201c Sylt hat eine besondere Verantwortung f\u00fcr diesen Lebensraum, denn mehr als drei\u00dfig Prozent der schleswig-holsteinischen Geestheiden befinden sich auf der Insel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine innovative Form der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Produzent<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOhne Nutzung, wenn man sie sich selbst \u00fcberl\u00e4sst, w\u00fcrde sie letztendlich weitgehend verschwinden und ein Wald entstehen. Der Naturschutz hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Kulturlandschaft zu erhalten. Daf\u00fcr bedarf es Pflege, dazu geh\u00f6rt das Entbuschen und Entfernen von unerw\u00fcnschtem Bewuchs&#8220;, so Klockenhoff. Besonders die \u00dcberalterung der Heide gef\u00e4hrdet die Vielfalt von Flora und Fauna. Die reichhaltigste Artenvielfalt wird erreicht, wenn die verschiedenen Altersstadien der Heide vorhanden sind. \u201eMehr als hundert Pflanzenarten mit seltenen Arten wie Lungenenzian, Arnika, Geflecktem Knabenkraut oder \u00c4hrenlilie und mehr als tausend Insektenarten geh\u00f6ren zu den Sch\u00e4tzen dieses Lebensraums.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Einsatz einer Wanderschafherde geh\u00f6rt ebenso zu diesen Pflegema\u00dfnahmen wie das Plaggen, also das Abtragen von Torf &nbsp;\u2013 die scheinbaren Wunden in der Landschaft sind die Grundlage f\u00fcr neues, artenreiches Heideleben. Ziel ist es, das anfallende Plaggmaterial zu verwerten, sei es zur Bodenverbesserung auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen oder als Startmaterial zur Neugr\u00fcndung von Heidefl\u00e4chen auf Golfpl\u00e4tzen. Eine besondere Verwertung des Torfes ist die Verwendung zur Whisky-Herstellung. \u201eEs ist eine innovative Form der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Produzent: Wir haben Fl\u00e4chen zum Plaggen f\u00fcr die Destillerie bereitgestellt &#8211; dabei entsteht nicht allein ein edles Getr\u00e4nk, denn jede Flasche ist mit einer Spende f\u00fcr den Naturschutz verbunden&#8220;, erkl\u00e4rt Roland Klockenhoff.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Braugerste aus Morsum und Torf aus der Braderuper Heide<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMit unserer handwerklichen Tradition und den Zutaten von der Insel Sylt verbinden wir zwei Welten. Destillateurs-Kunst und Nordsee-Natur ergibt charakterstarken Whisky&#8220;, sagt \u201eSILD&#8220;-Gr\u00fcnder Anton Stetter von der Brennerei Lantenhammer, gelegen am bayerischen Schliersee. F\u00fcr die Single Malt-Linie \u201eSILD&#8220; werden Braugerste aus Morsum und f\u00fcr die Sorten \u201eCrannog\u201c und \u201eJ\u00f6l en Reek\u201c seit mehreren Jahren Torf aus der Braderuper Heide verwendet. Mit \u201eSILD&#8220;-Mitgr\u00fcnder Alexander Sievers vom Sylter Getr\u00e4nkespezialisten Weinheiliger fanden sich Leute mit Leidenschaft, die diesen genussvollen Gedanken konsequent umsetzten und Premium-Whiskys herstellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir wollten vor zehn Jahren einen rauchigen Whisky produzieren, so, wie sie auch traditionell auf der anderen Seite der Nordsee, in Schottland, hergestellt werden\u201c, berichtet Anton Stetter. Alexander Sievers hatte schon damals gute Kontakte zur Naturschutzarbeit auf Sylt. Bei Ma\u00dfnahmen zur Heidepflege f\u00e4llt immer auch Torf an, \u201e\u2026der muss sonst entsorgt werden. Und wir k\u00f6nnen den Torf im Herstellungsprozess von Whisky gut gebrauchen \u2013 er gibt dem Produkt schlie\u00dflich rauchige, torfigen Aromen\u201c, erkl\u00e4rt er. Das abgegrabene Material geht zu einer M\u00e4lzerei nach Bayern und wird dort, gesiebt und geh\u00e4ckselt, zur Trocknung von Sylter Braugerste verwendet, das gekeimte Korn wird \u00fcber dem Feuer, im Rauch, gedarrt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Torfaromen und Rauchnoten f\u00fcr Sylter Whisky<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema Heide, also Torf und Meer, wird konsequent zu Ende gef\u00fchrt. Durch die Lagerung in speziellen F\u00e4ssern erh\u00e4lt der Whisky einen herb-s\u00fc\u00dfen, komplexen aber angenehmen Charakter \u2013 so wie die Heide ist. Die rauchigen Torfaromen sind bereits drin. Und das mit dem rauen Nordseeklima geht so: Den Anklang an das Meer mit salzigen Noten und jodigen Aromen erh\u00e4lt der ausgebaute Single-Malt durch die Lagerung bzw. Reifung, im Lister Hafen \u2013 einer in 100-Liter-F\u00e4ssern auf dem historischen Kutter \u201eGret Palucca\u201c, der andere auf der Insel in 225-Liter-F\u00e4ssern in einem alten Bunker in Tinnum, beide jeweils schon mit Torf und Rauchnoten und in ehemaligen Bourbon-, Rum- und Sherry-F\u00e4ssern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDurch die kleineren Gebinde und die st\u00e4ndige Wiegebewegung durch die Wellen sowie der unmittelbaren N\u00e4he zur Nordsee auf der ,Gret Palucca\u00b4 entwickelt dieser Whisky angenehme Salz- und Jod-Aromen\u201c, sagt Master Distiller Tobias Maier, \u201eder Geschmack erinnert an eine feine Meeresbrise. Und an Seetang. Den Rauch erkennt man im Geruch, den Torf eher im Nachgang auf dem Gaumen.\u201c W\u00e4hrend beim Single-Malt aus dem Bunker, dem \u201eJ\u00f6l en Reek\u201c, eher die rauchigen und torfigen Noten im Vordergrund stehen. Beide Sorten, so die Verkostungsnotizen, haben einen komplexen, herb-s\u00fc\u00dfen Charakter; Vanille und Pfeffer zum Beispiel haben die Fachleute erkannt. Es sind feine Raucharomen und dezente Torfnoten, \u201e\u2026zu schwer soll es nicht sein, das ist nicht heavy peated!\u201c &nbsp; &nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Hintergrundinformation Whisky&nbsp;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Whisky ist im Prinzip destilliertes Bier. Um daf\u00fcr aus Getreide ein leicht alkoholisches Getr\u00e4nk herzustellen, macht Hefe aus Zucker mittels G\u00e4rung Alkohol. Dazu wird Getreide angefeuchtet, um eine Keimung in Gang zu bringen. Damit der Keimling f\u00fcr sein Wachstum Nahrung hat, entsteht im Korn Malzzucker. Diesen Zucker aber soll die Hefe bekommen, also muss der Keimvorgang gestoppt werden \u2013 traditionell geschieht dies bei der Herstellung von Whisky durch Trocknung \u00fcber (Torf)-Feuer. Deshalb finden sich rauchige Noten im sp\u00e4teren Destillat wieder, da die zuckrigen, rauchigen K\u00f6rner nach dem Trocknungsprozess in Wasser eingelegt werden. Dazu kommt dann die Hefe, der G\u00e4rprozess beginnt, abschlie\u00dfend wird die Maische (Alkoholgehalt: rund f\u00fcnf Prozent) zu einem Hochprozentigen destilliert. Darin finden sich je nach Whiskysorte und verwendeten Zutaten eben auch Raucharomen, torfige Noten. Damit Whisky so hei\u00dfen darf, muss er drei Jahre gelagert werden. \u00dcblicherweise geschieht dies in Holzf\u00e4ssern, manchmal zum Beispiel in ehemaligen Sherry-, Rum- oder Bourbon-F\u00e4ssern, wobei w\u00e4hrend der Lagerung auch diese Aromen ins Destillat \u00fcbergehen und dem sp\u00e4teren Whisky seine aromatische Komplexit\u00e4t verleihen. Werden einzelne Whisky-Sorten nicht miteinander vermischt (verschnitten), spricht man von Single-Malts. &nbsp; &nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sch\u00f6n rauchig sollte er sein, der Whisky, den der Lantenhammer Brennerei und Mitbegr\u00fcnder von  SILD und sein Partner  Alexander Sievers vom Sylter Getr\u00e4nkespezialisten Weinheiliger brennen wollten. Wesentliche Grundlage f\u00fcr das besondere Aroma des Whiskys ist auch ein Abfallprodukt der lokalen Heidepflege, n\u00e4mlich Torf. Die Sylter Braugerste wird \u00fcber dem rauchenden Torf langsam gegart. 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