{"id":25675,"date":"2023-07-12T09:42:14","date_gmt":"2023-07-12T07:42:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=25675"},"modified":"2023-08-06T16:42:58","modified_gmt":"2023-08-06T14:42:58","slug":"koexistenz-von-honig-und-wildbienen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=25675","title":{"rendered":"Koexistenz von Honig- und Wildbienen"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Diskussion \u00fcber den Schutz von Wildbienen vor Honigbienen hat die Autorin  Janine Fritsch die Grundlagen untersucht und festgestellt dass gerade in Europa Honig- und andere Bienengattungen von jeher koexistiert haben. Im Interview mit der Biologin Dr. Marina Meixner spricht sie \u00fcber die verschiedenen  Lebensr\u00e4ume und Nahrungsquellen und  erkl\u00e4rt wie ein Miteinader sichergestellt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_0900.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_0900-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-25677\" width=\"965\" height=\"643\" srcset=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_0900-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_0900-300x200.jpeg 300w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_0900-768x512.jpeg 768w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/IMG_0900.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 965px) 100vw, 965px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eine Rote Mauerbiene (Osmia bicornis) am Natternkopf. Foto: Janine Fritsch<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Seit Jahrtausenden leben Honig- und Wildbienen in denselben Landschaften, in denen sie sich gemeinsam mit Bl\u00fctenpflanzen entwickelt haben. In dieser Evolution haben sie ganz unterschiedliche Lebenswege gew\u00e4hlt, wenn es um Futterquellen und Nistpl\u00e4tze geht oder darum, wie sie ihren Nachwuchs aufziehen. Die Strategie der Natur \u2013 sozusagen die Diversifizierung \u2013 geht seitdem sehr gut auf: Man lebt zusammen, aber st\u00f6rt sich nicht. Die einen sind dabei eher die w\u00e4hlerischen Rosinenpicker, die anderen die gen\u00fcgsameren Allesfresser.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eine uralte Wohngemeinschaft&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAnders als in Amerika, Australien oder Neuseeland, wo es die Honigbiene urspr\u00fcnglich nicht gab, ist sie bei uns in Europa heimisch. Das darf man nicht vergessen.\u201c betont Dr. Marina Meixner, Vorsitzende der AG Bieneninstitute. Seit Jahrtausenden teilen sich Honig- und Wildbienen in Europa erfolgreich Nahrungsangebot und Lebensraum.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Leerer Tisch und leerer K\u00fchlschrank<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Doch der wird immer enger: Immer mehr verbaute und versiegelte B\u00f6den, immer gr\u00f6\u00dfere und einseitige landwirtschaftliche Fl\u00e4chen, auf denen zu bestimmten Zeiten nur eine einzige Frucht w\u00e4chst. Ist der Raps verbl\u00fcht, ist erstmal Ebbe. Denn es gibt kaum mehr Bl\u00fchstreifen wie fr\u00fcher. Auch fehlen kleinteilig-vernetzte gemischte Strukturen, wo \u00fcber den ganzen Sommer immer wieder eine andere Art ihren Nektar und Pollen anbietet. F\u00fcr Wildbienen hei\u00dft das, der Tisch ist abger\u00e4umt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Weite Wege, kurze Wege<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nicht so f\u00fcr die Honigbiene: Als Generalist fliegt sie auf Massentracht. Ob Obst und Raps im Fr\u00fchling, Kastanienw\u00e4lder im Sommer oder Heide im Herbst. Sie nimmt, was kommt und kommt auch ran. Denn: Honigbienen fliegen mehrere Kilometer. Sie haben weniger Probleme mit weiteren Wegen. Wildbienen dagegen bleiben nah am Nest und suchen ihr Futter je nach Art, oft nur im Umkreis von wenigen hundert Metern. Ein fl\u00e4chendeckendes Bl\u00fctennetz ist f\u00fcr sie also lebenswichtig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jedem seine \u00f6kologische Nische<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie \u00f6kologischen Nischen sind f\u00fcr Wild- und Honigbienen einfach nicht dieselben\u201c, erkl\u00e4rt Biologin Meixner. Weder zeitlich, noch r\u00e4umlich, noch was die Futterpflanzen angeht. \u201eAu\u00dferdem sind auch viele Wildbienen wie Hummeln oder Mauerbienen nicht so heikel bei der Futterauswahl.\u201c Die Bienenspezialistin versucht schon seit geraumer Zeit, den Blick auf die Situation zu relativieren. Nur etwa ein Drittel der Wildbienen ist wirklich streng spezialisiert auf eine Pflanzenart, wie die Heidekrautseidenbiene oder die Natternkopf-<a href=\"https:\/\/www.bienenjournal.de\/glossar\/mauerbiene\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mauerbiene<\/a>. Und dann ist es auch der Pollen, nicht der Nektar um den es geht. Aber auch starke Spezialisten sind bei Mangel in der Lage auszuweichen. So verschm\u00e4ht die Heidekraut-Seidenbiene wenn n\u00f6tig auch Efeu oder Korbbl\u00fctler nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Keine belastbare Datenbasis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201ePauschale Unterstellungen sind ein Manko in der Diskussion\u201c, beklagt Meixner. \u201eDie Studienlage gibt eine generelle Bienenkonkurrenz jedenfalls nicht her, denn dazu m\u00fcsste man erst einmal schauen, ob die Wildbienenpopulationen dort zur\u00fcckgehen, wo Honigbienen sind, und nicht, wo beide Futter suchen. Diese Daten haben wir aber bisher nicht.\u201c &nbsp;Die Biologin geht davon aus, dass Naturschutzgebiete, wo L\u00e4ppertracht vorherrscht \u2013 das hei\u00dft, in der keine Pflanze massenweise auftritt \u2013 als Futterquelle f\u00fcr Honigbienen \u00fcberhaupt nicht so interessant sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Imker folgen Massentrachten&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese unterschiedlichen Verhaltensweisen und Bed\u00fcrfnisse der Bienen sind auch f\u00fcr Jan-Dirk Bunsen ausschlaggebend. Als Berufsimker wandert er in gro\u00dfem Stil den Massentrachten hinterher. \u201eWenn wir z. B. in die Edelkastanie gehen, dann nur f\u00fcr wenige Wochen. Ist der Baum verbl\u00fcht, dann sehen wir zu, dass wir so schnell wie m\u00f6glich die Bienen wieder rausholen, sonst w\u00fcrden sie den Honigvorrat gleich wieder aufzehren\u201c. Jeder Imker denkt auch wirtschaftlich. \u201eKeiner w\u00fcrde an Standorte gehen, wo seine Bienen nicht \u00fcppig Nahrung vorfinden und nat\u00fcrlich d\u00fcrfen auch nicht zu viele V\u00f6lker an einem Ort stehen.\u201c Das Ma\u00df muss stimmen, damit es den V\u00f6lkern gut geht. \u201eUnd viele typische Wildbienen-Pflanzen wie Rainfarn, Skabiose oder Glockenblumen sind f\u00fcr unsere Honigbienen gar nicht so interessant,\u201c f\u00fcgt der promovierte Agrarwissenschaftler hinzu. Letztlich geht es auch ihm darum, zu zeigen, dass die vermeintliche Konkurrenz \u2013 wenn sie \u00fcberhaupt auftritt \u2013 nur ganz wenige Wildbienenarten betrifft und zeitlich nur kurz besteht. Es ist kein grunds\u00e4tzliches Problem.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausschluss aus Heidefl\u00e4chen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir Imker werden immer \u00f6fter aus Gebieten pl\u00f6tzlich ausgeschlossen.\u201c beklagt Bunsen, der auch Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer in Reinland-Pfalz f\u00fcr den Deutschen Berufs und Erwerbs Imker Bund ist. Viele gro\u00dfe Naturschutzgebiete mit seltenen Tier- und Pflanzenarten sind ehemalige Truppen\u00fcbungspl\u00e4tze und enthalten bei Imkern begehrte Heidelandschaften. \u201eDabei ist gerade das eine jahrhundertealte Kulturlandschaft \u2013 menschengemacht. Die Heideimkerei ist hier entstanden, die Heidekrautsand- und Heidekrautseidenbiene sind der Kultur gefolgt und dabei trotz der Honigbienen nicht ausgestorben\u201c, betont er, denn dieser Aspekt wird bei der Diskussion gern weggelassen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Immer noch weniger Honigbienen als fr\u00fcher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Diskussion um zu viele Honigbienen ist relativ neu\u201c, so Jan-Dirk Bunsen, \u201edabei hatten wir nach dem 2. Weltkrieg mit 2 Millionen Bienenv\u00f6lkern doppelt so viele wie heute. Die Zahlen und die behaupteten Auswirkungen passen hier nicht zusammen.\u201c &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mehr Wildwuchs und Unordnung&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In einem sind sich aber Imker, Wissenschaftler und Natursch\u00fctzer einig: Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den R\u00fcckgang der Insekten liegt vor allem am Schwund von Nahrungs- und Nistpl\u00e4tzen durch Versiegelung, intensiven Landbau und Eintrag von Schadstoffen in B\u00f6den und Gew\u00e4sser. Wer selbst etwas tun will, sollte in seinem Garten Wildpflanzen wuchern lassen und offene Kies-, Lehm und Sandfl\u00e4chen anlegen. Sch\u00f6ne Zuchtpflanzen und Ordnung oder sauber gepflasterte Wege und Terrassen m\u00f6gen Tiere einfach nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle\/Auftraggeber: &#8222;Deutscher Berufs und Erwerbs Imker Bund<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Diskussion \u00fcber den Schutz von Wildbienen vor Honigbienen hat die Autorin  Janine Fritsch die Grundlagen untersucht und festgestellt dass gerade in Europa Honig- und andere Bienengattungen von jeher koexistiert haben. 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