{"id":23740,"date":"2022-09-17T07:26:00","date_gmt":"2022-09-17T05:26:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=23740"},"modified":"2022-09-14T09:37:12","modified_gmt":"2022-09-14T07:37:12","slug":"rheingauer-weinbauverband-fuerchtet-neue-pestizid-regeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=23740","title":{"rendered":"Rheingauer Weinbauverband f\u00fcrchtet neue Pestizid-Regeln"},"content":{"rendered":"\n<p>Die EU hat aktuell einen neuen Verordnungsvorschlag zur einem nachhaltigerem Umgang mit Pestiziden abgegeben. Nun f\u00fcrchten die Weinbauern im Rheingau, insbesondere an den Steillagen von Lorch, Assmanshausen und teilweise R\u00fcdesheim, dass sie so ihre Rebfl\u00e4chen nicht mehr bewirtschaften k\u00f6nnten. Denn viele der Weinlagen m\u00fcssten wenn auch nur ab und zu gegen Mehltau behandelt werden, da dieser in diesen Regionen immer wieder auftritt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/RheingauerWeinwerbung_Logo.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/RheingauerWeinwerbung_Logo.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-23742\" width=\"300\" height=\"73\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Die \u00c4nderung der Verordnung (EU) 2021\/2115 zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Europ\u00e4ischen Union w\u00fcrde insbesondere in den sogenannten empfindlichen Gebieten, die in den hessischen Weinanbaugebieten zusammengefasst ca. 920 ha, bzw. 27 % der gesamten Rebfl\u00e4che ausmachen,  einen Anbau von klassischen und am Markt etablierten Rebsorten unm\u00f6glich machen. In den klassischen und landschaftspr\u00e4genden Steillagen von Lorch, Assmannshausen und zum Teil R\u00fcdesheim k\u00e4me dies einem Berufsverbot gleich.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zu den empfindlichen Gebieten z\u00e4hlen FFH- und Vogelschutzgebiete, Wasser- und Heilquellenschutzgebiete, st\u00e4dtische Gr\u00fcnfl\u00e4chen Sport- und Spielpl\u00e4tze. Gerade f\u00fcr die Ausweitung der FFH-Gebiete ist der Berufsstand der WinzerInnen bereits in Vorleistung getreten. Auch das Stadtbild in den Kommunen und St\u00e4dten w\u00fcrde sich dadurch nachhaltig ver\u00e4ndern. So k\u00f6nnten z.B. die gro\u00dffl\u00e4chig angelegten G\u00e4rten der Rosenstadt Eltville am Rhein ohne den gelegentlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen den Mehltau langfristig nicht mehr existieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Sollte die neue EU Verordnung umgesetzt werden, bedeute dies auch erhebliche Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr den \u00f6kologischen Weinbau in vielen Regionen, da die Verordnung nur unzureichend zwischen synthetisch-chemisch hergestellten Mitteln und den im \u00f6kologischen Anbau zugelassenen Mitteln differenziere und pauschal eine Halbierung der eingesetzten Mittel fordere. Dies w\u00fcrde dem von der Bundesregierung ausgegebenen Ziel, den Anteil an biologisch arbeitenden Betrieben bis 2030 von derzeit 9,7 % auf 20% zu verdoppeln, widersprechen.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rheingauer Weinbauverband f\u00fcrchtet, dass In der Konsequenz ist die Kulturlandschaft in ihrer Existenz gef\u00e4hrdet oder sogar Teilbereichen zerst\u00f6rt w\u00fcrde.<br>Brach liegende Fl\u00e4chen k\u00f6nnten verbuschen und \u00fcberwalden. Trockensteinmauern und offene Gassen, die einer Vielzahl von Arten als Lebensraum und -Grundlage dienen, \u00fcberwuchern und w\u00fcrden vom Wildwuchs zerst\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei m\u00fcssen sich Naturschutz und die Aus\u00fcbung des Weinbaus nach einer guten fachlichen Praxis und den Richtlinien des integrierten Weinbaus nicht widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>So wird im gesamten Rheingau bereits seit \u00fcber 20 Jahren der Traubenwickler, ein Schadinsekt mittels einer \u00f6kologisch und umweltvertr\u00e4glich einwandfreien Methode bek\u00e4mpft. Im gesamten mit Reben bestockten Gebiet sowie im direkten Umfeld werden dabei kleine Ampullen in den Weinbergen ausgebracht. Der aufmerksame Spazierg\u00e4nger hat diese mit Sicherheit bereits in den Weinbergen mehrfach entdecken k\u00f6nnen. Diese Ampullen enthalten das Pheromon des weiblichen Traubenwicklers. Durch diese sog. Verwirrungsmethode kann die m\u00e4nnliche Motte das Weibchen nicht finden \u2013 somit entsteht der Sch\u00e4dling erst gar nicht. Diese Methode machte den Einsatz von Insektiziden im Weinbau nahezu \u00fcberfl\u00fcssig. Auch Akarizide, gegen Milben, finden nahezu keine Anwendung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegen die aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten haben die Kulturreben keine Resistenzen entwickeln k\u00f6nnen, weswegen hiergegen ein Pflanzenschutz im \u00f6kologischen, integrierten sowie herk\u00f6mmlichen Weinbau unerl\u00e4sslich ist. Gegen den echten &amp; falschen Mehltau sind selbst die PIWIs nicht komplett resistent und ben\u00f6tigen deswegen in Jahren mit einem hohen Infektionsdruck ebenso Behandlungen mit Pflanzenschutzmitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden hessischen Weinbauverb\u00e4nde stehen beide f\u00fcr ressourcen-schonenden und umweltfreundlichen Weinbau und etablieren in diesem Bereich Projekte bei Ihren Mitgliedern. So wird gerade im Rheingau an einer Neuauflage und \u00dcberarbeitung eines Kooperationsvertrages zwischen den Winzern und den Wasserwerksbetreibern gearbeitet. Durch die darin vereinbarten Richtlinien zur Bearbeitung der Weinberge konnte der Nitratgehalt des Grundwassers nachhaltig und dauerhaft abgesenkt werden. Auch sind hier klare Empfehlungen zur Anlage von Begr\u00fcnungen enthalten, die die Bodenfruchtbarkeit und Wasserhaltekraft erh\u00f6hen sowie Insekten einen Lebensraum bieten definiert.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Rheingauer Kulturlandschaft wird seit Jahrhunderten vom Weinbau gepr\u00e4gt und ist f\u00fcr uns ein wichtiger Bestandteil unserer touristischen Vermarktungsstrategie,\u201c mahnt der Pr\u00e4sident des Rheingauer Weinbauverbandes Peter Seyffardt \u201eDer Eingriff in die Struktur dieser Landschaft betrifft nicht nur die WinzerInnen und Weibaubetriebe, sondern auch Gastronomen, Hoteliers und Einzelh\u00e4ndler und die insgesamt ca. 7.400 Arbeitspl\u00e4tze, die in direktem Zusammenhang damit stehen,\u201c so Seyffardt weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Pflanzenschutz sichert die Ernte sowie deren Qualit\u00e4t und muss daher nicht pauschal, sondern situativ, jahrgangs- und standortangepasst ausgebracht und reduziert werden. Ich w\u00fcnsche mir von der Politik, dass sie die Notwendigkeit des Pflanzenschutzes im Weinbau anerkennt und erm\u00f6glicht. F\u00fcr eine nachhaltige (Weiter-)Entwicklung des Weinbaus sind ambitionierte F\u00f6rderprogramme hilfreich, im Gegensatz zu pauschalen und existenzbedrohenden Regulierungsans\u00e4tzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Berufsverb\u00e4nde appellieren mit allem Nachdruck an die politischen Handelnden, sich diesem Entwurf zu widersetzen und sich f\u00fcr eine fachlich, sachlich- und praxisgerechte Verordnung einzusetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die EU hat aktuell einen neuen Verordnungsvorschlag zur einem nachhaltigerem Umgang mit Pestiziden abgegeben. Nun f\u00fcrchten die Weinbauern im Rheingau, insbesondere an den Steillagen von Lorch, Assmanshausen und teilweise R\u00fcdesheim, dass sie so ihre Rebfl\u00e4chen nicht mehr bewirtschaften k\u00f6nnten. 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