{"id":18709,"date":"2020-07-28T10:10:00","date_gmt":"2020-07-28T08:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=18709"},"modified":"2020-07-27T10:01:36","modified_gmt":"2020-07-27T08:01:36","slug":"diskussionen-um-die-lebensmittel-ampel-nutriscore","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=18709","title":{"rendered":"Diskussionen um die Lebensmittel-Ampel Nutri-Score"},"content":{"rendered":"\n<p>foodwatch warnt immer wieder vor verwirrenden Verbraucherkennzeichnungen bei der Berechnung des Nutri-Score. So sollen wohl unausgewogene Produkte nach dem Wunsch der Lebensmittellobby besser bewertet werden, wie zum Beispiel einige Zuckergetr\u00e4nke wie Fruchts\u00e4fte. Insbesondere der Lebensmittelverband Deutschland scheint sich gem\u00e4\u00df foodwatch mit nicht wissenschaftlichen Ideen negativ hervorzutun. Dies sollen Unterlagen des staatlichen Max-Rubner-Instituts (MRI) belegen, welche foodwatch ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignwide size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Foodwatch_Nutri_Lobby_Traubensaft-1024x572.jpg\" alt=\"foodwatch gegen die Nutriscore Bewertung f\u00fcr Traubensaft\" class=\"wp-image-18710\"\/><figcaption>foodwatch gegen die Nutriscore Bewertung f\u00fcr Traubensaft<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u201eErst wollte die Lebensmittel-Lobby den Nutri-Score verhindern, jetzt will sie ihn m\u00f6glichst unsch\u00e4dlich machen. Eine Ampelkennzeichnung, die selbst zuckrigen Getr\u00e4nken ein gr\u00fcnes Licht gibt, verkommt zu einem Marketing-Instrument. Mit diesem Plan d\u00fcrfen die Lobbyverb\u00e4nde nicht durchkommen!\u201c sagte Luise Molling von foodwatch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>foodwatch hat \u00fcber einen Antrag nach dem Informationsfreiheitsgesetz interne Dokumente des Max-Rubner-Instituts erhalten, die belegen, mit welch absurden Forderungen die Industrielobby versucht, die Berechnungsgrundlage des Nutri-Score zu verw\u00e4ssern \u2013 meist ohne wissenschaftliche Basis. Das Bundesern\u00e4hrungsministerium hatte das MRI mit der Pr\u00fcfung der Lobby-Forderungen beauftragt, die Dokumente aber bisher nicht ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die 7 absurdesten Forderungen der Lebensmittelindustrie:<\/p>\n\n\n\n<p>Forderung 1: Fruchts\u00e4fte wie Lebensmittel berechnen<br>Was w\u00e4re die Folge? Selbst Traubensaft bekommt ein gr\u00fcnes A \u2013 obwohl er 60 Prozent mehr Zucker enth\u00e4lt als Coca Cola!<br>Der Nutri-Score berechnet Getr\u00e4nke mit einem gesonderten Algorithmus, bei dem ein hoher Zucker- und Kaloriengehalt negativer ins Gewicht f\u00e4llt als bei festen Lebensmitteln. Ein Traubensaft wird zum Beispiel mit einem roten E bewertet, denn er enth\u00e4lt zwar viel Frucht und damit auch g\u00fcnstige Inhaltsstoffe, aber mit 160 Gramm je Liter auch extrem viel Zucker. Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung empfiehlt generell, Saft nur in kleinen Mengen oder stark mit Wasser verd\u00fcnnt zu trinken. W\u00fcrde die Lobby mit ihrer Forderung durchkommen, bek\u00e4men jedoch s\u00e4mtliche S\u00e4fte ein dunkelgr\u00fcnes A \u2013 eine Bewertung, die bislang bei Getr\u00e4nken alleine Wasser vorbehalten ist. Das MRI stellt in seiner Bewertung klar: \u201eAus ern\u00e4hrungsphysiologischer Sicht ist es (\u2026) sinnvoll, Fruchts\u00e4fte weiterhin als Getr\u00e4nk zu bewerten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Forderung 2: Fleisch und Wurst sch\u00f6nrechnen<br>Was w\u00e4re die Folge? Salzige Wurst und fettiges Grillgut schneiden besser ab \u2013 obwohl wir ohnehin schon zu viel davon konsumieren.<br>Der Lebensmittelverband fordert, dass der Proteingehalt in Fleisch- und Wurstwaren positiver zu Buche schlagen sollte, was zur besseren Bewertung einiger Wurst- und Grillwaren f\u00fchren w\u00fcrde. Und das, obwohl in Deutschland etwa doppelt so viel Fleisch gegessen wird, wie von der DGE empfohlen. Das MRI erteilt auch dieser Forderung der Lobbyverb\u00e4nde aus wissenschaftlicher Sicht eine klare Absage \u2013 es bestehe \u201ekein Handlungsbedarf\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Forderung 3: Andere Kennzeichnungsmodelle sollen parallel zum Nutri-Score verwendet werden d\u00fcrfen<br>Was w\u00e4re die Folge? Die zentrale Funktion des Nutri-Score \u2013 der schnelle Vergleich von Produkten \u2013 wird durch die Verwendung unterschiedlicher Modelle unm\u00f6glich gemacht.<br>Britische Ampel, skandinavisches Keyhole oder finnisches Heart-Symbol \u2013 geht es nach der Lebensmittellobby, sollen auch andere europ\u00e4ische Kennzeichnungsmodelle neben dem Nutri-Score in deutschen Superm\u00e4rkten verwendet werden d\u00fcrfen. Die Folge w\u00e4re ein un\u00fcbersichtlicher Kennzeichnungsdschungel, der eine ges\u00fcndere Kaufentscheidung durch schnelles Vergleichen erschwert oder gar unm\u00f6glich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Forderung 4: Milchmischgetr\u00e4nke besser bewerten<br>Was w\u00e4re die Folge? Stark zuckerhaltige Fertig-Kaffeegetr\u00e4nke bekommen eine deutlich bessere Bewertung.<br>Milchmischgetr\u00e4nke werden aktuell erst ab einem Milchanteil von 80 Prozent nicht mehr als Getr\u00e4nke, sondern wie Nahrungsmittel berechnet. Die Industrie will diesen Prozentsatz auf 70 Prozent reduzieren. Damit w\u00fcrden viele zuckrige Fertig-Kaffeegetr\u00e4nke statt einem roten einen gr\u00fcnen Nutri-Score bekommen \u2013 was die Entwickler des Nutri-Score ausdr\u00fccklich vermeiden wollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Forderung 5: NGOs, Apps und Journalisten d\u00fcrfen Nutri-Score nicht berechnen<br>Was w\u00e4re die Folge? Der Nutri-Score der allermeisten Produkte wird zur Geheimsache, es sei denn, der Hersteller berechnet diesen freiwillig selbst.<br>Zensur statt Transparenz: Apps wie Open Food Facts, mit deren Hilfe Verbraucherinnen und Verbraucher den Nutri-Score von Produkten berechnen k\u00f6nnen oder auch NGOs oder Journalisten, die f\u00fcr einzelne Produkte beispielhaft den Nutri-Score kalkulieren \u2013 wenn es nach den W\u00fcnschen der Lobby geht, soll all dies verboten sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Forderung 6: Nutri-Score anhand von Portionsgr\u00f6\u00dfen berechnen<br>Was w\u00e4re die Folge? Zuckrige, fettige oder salzige Produkte wie S\u00fc\u00dfigkeiten, Brotaufstriche oder Grillso\u00dfen k\u00f6nnten eine bessere Bewertung bekommen. Der Lebensmittelverband fordert, dass bestimmte Lebensmittelgruppen nicht einheitlich auf Basis von 100 Gramm beziehungsweise 100 Millilitern berechnet werden, sondern auf Basis kleinerer Portionsgr\u00f6\u00dfen. Dabei ist aus wissenschaftlicher Sicht v\u00f6llig klar: Nur eine einheitliche Berechnung erm\u00f6glicht Vergleiche zwischen Produkten und verhindert Verzerrungen. Das MRI stellt in seiner wissenschaftlichen Bewertung klar: \u201eDie Zusammensetzung eines Produktes ist unabh\u00e4ngig von seiner Verzehrmenge.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Forderung 7: Fruchtsaftkonzentrate wie Obst bewerten<br>Was w\u00e4re die Folge? Mit Saftkonzentraten anstatt Zucker ges\u00fc\u00dfte Produkte k\u00f6nnen eine bessere Bewertung erreichen, obwohl Saftkonzentrate genauso einzustufen sind wie Haushaltszucker.<br>Fruchtsaftkonzentrate z\u00e4hlen zu den \u201efreien Zuckern\u201c, die nach Ansicht der WHO und der DGE aufgrund ihrer gesundheitssch\u00e4dlichen Wirkung nur in geringen Mengen aufgenommen werden sollten. Diesen Zuckerzusatz als Obstanteil und somit als der Gesundheit f\u00f6rderlich zu bewerten, st\u00fcnde den wissenschaftlichen Empfehlungen diametral entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die dem Nutri-Score zugrundeliegenden Algorithmen sollen im kommenden Jahr auf europ\u00e4ischer Ebene \u00fcberpr\u00fcft werden \u2013 vor diesem Hintergrund sind die Forderungen der Lebensmittelverb\u00e4nde entstanden. In Deutschland wird in wenigen Monaten das Nutri-Score-Modell auf freiwilliger Basis der Hersteller eingef\u00fchrt und soll auf der Verpackungsvorderseite von verarbeiteten Lebensmitteln zu finden sein. Die EU-Kommission will im vierten Quartal 2022 ein verpflichtendes europ\u00e4isches N\u00e4hrwertlogo f\u00fcr Lebensmittel vorschlagen.<br><br>\u201eKein Kennzeichnungssystem ist perfekt und auch der Nutri-Score kann verbessert werden. Aber die absurden Forderungen der Lobbyverb\u00e4nde, wonach selbst Wurst und zuckrige Getr\u00e4nke besser dastehen sollen, sind kein hilfreicher Beitrag zu dieser Debatte. Bundesern\u00e4hrungsministerin Kl\u00f6ckner muss sicherstellen, dass der Nutri-Score-Algorithmus allein auf Basis unabh\u00e4ngiger wissenschaftlicher Einsch\u00e4tzungen und nicht aufgrund eines Wunschkonzerts der Lebensmittelindustrie weiterentwickelt wird\u201c, sagte Luise Molling.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Berechnung des Nutri-Score werden g\u00fcnstige N\u00e4hrstoffe, die man reichlich zu sich nehmen sollte, mit ung\u00fcnstigen N\u00e4hrstoffen, die nur in geringen Mengen verzehrt werden sollten, verrechnet. Positiv zu Buche schlagen Ballaststoffe, Proteine, Obst und Gem\u00fcse, negativ bewertet werden etwa ges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren, Zucker und Salz. Das Ergebnis wird in eine f\u00fcnfstufige Farbskala, die mit den Buchstaben A-E hinterlegt ist, \u00fcbersetzt. Eher ausgewogene Produkte erhalten ein dunkelgr\u00fcnes A oder hellgr\u00fcnes B, im mittleren Bereich gibt es ein gelbes C und eher unausgewogene Produkte wie S\u00fc\u00dfwaren oder fettige Snacks bekommen ein orangenes D oder gar ein rotes E.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/www.foodwatch.de#\">http:\/\/www.foodwatch.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foodwatch warnt immer wieder vor verwirrenden Verbraucherkennzeichnungen bei der Berechnung des Nutri-Score. So scheinen unausgewogene Produkte nach dem Wunsch der Lebensmittellobby besser bewertet werden sollen, wie zum Beispiel einige Zuckergetr\u00e4nke wie Fruchts\u00e4fte. 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