{"id":18309,"date":"2020-06-01T10:10:00","date_gmt":"2020-06-01T08:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=18309"},"modified":"2020-05-26T15:14:05","modified_gmt":"2020-05-26T13:14:05","slug":"die-klimabilanz-von-lebensmitteln-haengt-oft-von-verpackung-und-transport-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=18309","title":{"rendered":"Die Klimabilanz von Lebensmitteln h\u00e4ngt oft von Verpackung und Transport ab"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine neue Studie des Instituts f\u00fcr Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) gibt Aufschluss \u00fcber den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck von 200 Gerichten und Lebensmitteln, die im Alltag vorkommen. Dabei kam heraus, dass es nicht so sehr von der Frucht (wie zum Beispiel einem Apfel oder einer Ananas) abh\u00e4ngt, wer besser f\u00fcr Klima und Umwelt ist. Eine viel wichtigere Rolle spielen den Produktionsbedingungen. Ein Blick auf den Klimaeffekt, den Lebensmittel mit sich bringen, erschlie\u00dft aber oft nicht die ganze Wahrheit.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"707\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/ifeuScreen.png\" alt=\"Screenshot: Tutti i sensi\" class=\"wp-image-18310\" srcset=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/ifeuScreen.png 1024w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/ifeuScreen-300x207.png 300w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/ifeuScreen-768x530.png 768w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/ifeuScreen-392x272.png 392w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/ifeuScreen-130x90.png 130w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Screenshot: Tutti i sensi<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><br>Apfel, Erdbeeren und Pfirsiche \u2013 frisch geerntet z\u00e4hlen diese drei Fr\u00fcchte zu den klimafreundlichsten Lebensmitteln, die man in deutschen Superm\u00e4rkten kaufen kann. Als Neuseeland-Apfel, Winter-Erdbeere oder Dosen-Pfirsich schneiden sie dagegen schlecht ab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBei unseren Lebensmitteln im Supermarkt h\u00e4ngt die Umwelt- und Klimabilanz oft weniger am Produkt, als daran, wo und wie diese Produkte angebaut und danach transportiert und verpackt wurden\u201c, sagt Dr. Guido Reinhardt, Leiter der jetzt vorgestellten Studie \u201e\u00d6kologischer Fu\u00dfabdruck von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland\u201c. Untersucht wurden f\u00fcnf Produktgruppen, darunter Obst, Gem\u00fcse, Fleisch- und Milchprodukte sowie vegetarisch-vegane Ersatzprodukte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eine per Flugzeug nach Deutschland gelieferte Ananas schneidet danach beim Klimacheck mehr als 25 Mal schlechter ab als dieselbe Frucht, die per Schiff kommt. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich oft auch bei heimischen Gem\u00fcsen wie Champignons, Gr\u00fcnkohl oder Bohnen, wenn sie frisch oder als Konserve in Glas oder Dose im Supermarkt stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eGe\u00e4nderte Fl\u00e4chennutzung\u201c erstmalig konsequent ber\u00fccksichtigt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Einwegverpackung aus Metall oder Glas hat in vielen F\u00e4llen einen gr\u00f6\u00dferen Klimaeffekt als das eigentliche Lebensmittel. Das gilt auch f\u00fcr viele Getr\u00e4nke wie Wein und Bier \u2013 oft kommt es mehr auf die H\u00fclle als den Inhalt an\u201c, so Dr. Reinhardt.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben spielt es aber auch eine Rolle, auf welchen Fl\u00e4chen die Lebensmittel angebaut werden: Wenn tropische Regenw\u00e4lder f\u00fcr den Anbau von Palm\u00f6l gerodet oder (wie in Deutschland) Moorgebiete f\u00fcr die Landwirtschaft umgewandelt werden, so verschlechtern sich die Klimagasbilanzen erheblich, teils bis zur Verdoppelung des CO2-Fu\u00dfabdrucks. Das Neuartige an der jetzigen Studie ist, dass bei allen Lebensmitteln solche Fl\u00e4chennutzungs\u00e4nderungen konsequent eingerechnet wurden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt best\u00e4tigt die ifeu-Studie, dass frisches, saisonal und regional angebautes Obst und Gem\u00fcse im Schnitt meist deutlich klimafreundlicher sind als au\u00dferhalb der Saison importierte Lebensmittel aus fernen L\u00e4ndern. Und auch, dass eine Umstellung auf weniger Fleisch und Milchprodukte die wesentlichen Stellgr\u00f6\u00dfen f\u00fcr eine nachhaltige Ern\u00e4hrungswende darstellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bio rettet nicht das Klima \u2013 aber Wasser, Boden und Ressourcen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberraschend ist, dass Fleisch, Milch und Eier aus Bio-Landwirtschaft beim Klimaeffekt in einigen F\u00e4llen nicht besser und manchmal sogar schlechter abschneiden als Produkte aus konventioneller Landwirtschaft. Der Grund: Biobetriebe ben\u00f6tigen mehr Fl\u00e4che, da sie geringere Ertr\u00e4ge erwirtschaften \u2013 entsprechend legen die Forscher auch h\u00f6here Hektarzahlen zu Grunde, was zu h\u00f6heren CO2-Emissionen f\u00fchren kann. \u201eHier zeigt sich, dass der alleinige Blick auf die CO2-Emissionen nicht die ganze \u00f6kologische Wahrheit sagt\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Guido Reinhardt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie etwas h\u00f6heren Emissionen werden durch den deutlich geringeren Pestizideinsatz, nachhaltigere Bodenbewirtschaftung und Erh\u00f6hung der Artenvielfaltviel mehr als wieder wettgemacht. Gerade in der Landwirtschaft kann ein allein auf die CO2-Emissionen eingeengter Blick die \u00f6kologische Gesamtbewertung stark verf\u00e4lschen\u201c, betont Dr. Reinhardt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Beilage entscheidet mit \u00fcber die \u00d6kobilanz des Mittagessens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil der Studie untersucht das ifeu, wie klimafreundlich verschiedene Gerichte sind. Dabei stechen vor allem einige Lebensmittel mit unerwartet gro\u00dfen Auswirkungen auf die CO2-Emissionen je Portion hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRind und Reis haben nicht nur einen hohen Klimaeffekt, sondern ben\u00f6tigen f\u00fcr die Erzeugung zus\u00e4tzlich sehr viel D\u00fcnger und Wasser\u201c, sagt Dr. Reinhardt. Statt zu Rindfleisch kann man gerade bei Hackgerichten zum wesentlich klimafreundlicheren Schweinefleisch oder zu Sojagranulat greifen. Insbesondere aber kann man die Beilage Reis in unseren kulinarischen Breiten oft gut durch Nudeln, Kartoffeln oder Dinkel ersetzen. Die Folge: nicht nur weniger Klimagase, sondern ein halb so gro\u00dfer Fl\u00e4chen- und D\u00fcnger-Fu\u00dfabdruck und ein hundertfach geringerer \u00f6kologischer Fu\u00dfabdruck bei Wasser. Auch hier z\u00e4hlt, dass CO2 nicht das alleinige Umweltkriterium einer nachhaltigen Ern\u00e4hrung sein darf.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Studie liefert Orientierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWir wollen hier zu mehr Klarheit beitragen\u201c, so Dr. Reinhardt. Denn die bisher ver\u00f6ffentlichten Daten zu CO2-Fu\u00dfabdr\u00fccken von Lebensmitteln weichen teilweise deutlich voneinander ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Abweichungen ergeben sich oft aus dem Bilanzrahmen. Solche Unterschiede sind f\u00fcr Verbraucherinnen und Verbraucher sowie in der Ern\u00e4hrungsberatung aber nicht transparent. Darum hat das ifeu nun erstmals gezielt verglichen, welchen Einfluss Produktion, Transport, Verpackung und unterschiedliche Randbedingungen etwa f\u00fcr saisonale Lebensmittel und vor allem die Fl\u00e4chenbelegung haben. Die ifeu-Studie \u201e\u00d6kologische Fu\u00dfabdr\u00fccke von Lebensmitteln und Gerichten in Deutschland\u201c steht zur freien Nutzung auf ifeu.de.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.ifeu.de\/\">www.ifeu.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Studie des Instituts f\u00fcr Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) gibt Aufschluss \u00fcber den \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck von 200 Gerichten und Lebensmitteln, die im Alltag vorkommen. Dabei kam heraus, dass es nicht so sehr von der Frucht (wie zum Beispiel einem Apfel oder einer Ananas) abh\u00e4ngt, wer besser f\u00fcr Klima und Umwelt ist. Eine viel wichtigere Rolle spielen den Produktionsbedingungen. 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