{"id":16212,"date":"2019-03-12T10:10:44","date_gmt":"2019-03-12T09:10:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=16212"},"modified":"2019-03-04T17:08:49","modified_gmt":"2019-03-04T16:08:49","slug":"ackergifte-in-der-luft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=16212","title":{"rendered":"Ackergifte? In der Luft!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">B\u00fcndnis f\u00fcr eine enkeltaugliche Landwirtschaft legt erste umfassende Studie zu Pestizid-Verbreitung durch die Luft vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der BioFach 2019 pr\u00e4sentierte das B\u00fcndnis f\u00fcr eine enkeltaugliche Landwirtschaft die bisher umfassendste Studie f\u00fcr Deutschland zur Verbreitung von Pestiziden \u00fcber die Luft. Mittels Luftg\u00fcte-Rindenmonitoring wurden B\u00e4ume an 47 unterschiedlichen Standorten bundesweit untersucht. Die Ergebnisse, die das vom B\u00fcndnis beauftragte unabh\u00e4ngige Forschungsb\u00fcro TIEM integrierte Umwelt\u00fcberwachung vorgelegt hat, m\u00fcssen Konsequenzen haben \u2013 da sind sich alle Beteiligten einig. \n\n<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"750\" height=\"425\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EnkeltauglicheLandwirtschaft.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16213\" srcset=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EnkeltauglicheLandwirtschaft.jpg 750w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EnkeltauglicheLandwirtschaft-300x170.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><figcaption>Engeltauglich.bio<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br><br>Denn ob landwirtschaftliche Region, Naturschutzgebiet oder Gro\u00dfstadt: An allen 47 untersuchten Standorten wurde eine Pestizid-Belastung nachgewiesen. Insgesamt 107 Substanzen in unterschiedlichen Kombinationen fanden die Forscher. Trauriger Spitzenreiter ist, wie nach Pilotstudien bereits erwartet, Pendimethalin. <br><br>Auf Platz zwei folgt \u00fcberraschend DDT, ein Wirkstoff, dessen Einsatz in Deutschland seit Jahrzehnten verboten ist. \u203aHier zeigt sich anschaulich, wie die Entscheidungen fr\u00fcherer Generationen sich noch lange in die Zukunft auswirken\u2039, kommentiert Stephan Paulke, 1. Vorsitzender des B\u00fcndnis f\u00fcr eine enkeltaugliche Landwirtschaft. An \u00fcber der H\u00e4lfte aller Standorte wurde Glyphosat nachgewiesen. <br><br>Die Studie liefert zudem klare Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass Standorte mit hoher Winderosion st\u00e4rker betroffen sind. Ein besonders brisantes Ergebnis, denn bei Glyphosat galt eine Verfrachtung \u00fcber die Luft bisher als ausgeschlossen. \u203aDamit d\u00fcrfte klar sein, dass die aktuellen Regelungen zur Anwendungspraxis und damit zur Regulierung der Luftbelastung nicht ausreichen\u2039, stellt Johannes Heimrath, von der B\u00fcrgerinitiative Landwende und Vorstand im B\u00fcndnis f\u00fcr eine enkeltaugliche Landwirtschaft, fest. <br><br>Als Konsequenzen aus den Ergebnissen der Studie fordert das B\u00fcndnis die Aussetzung der Zulassung der Wirkstoffe Pendimethalin und Prosulfocarb, da die bisherigen Auflagen offensichtlich nicht ausreichend sind, um die Umwelt und den \u00f6kologischen Landbau zu sch\u00fctzen. Ebenso sei eine Neubewertung der Zulassung von Glyphosat notwendig, da die offensichtlich stattfindende Luftverfrachtung im Zulassungsverfahren derzeit nicht ber\u00fccksichtigt wird. <br><br>Insgesamt, so das Fazit, sei eine Revision des europaweiten Zulassungsverfahrens f\u00fcr Pflanzenschutzmittel ebenso erforderlich wie die Erweiterung des Zulassungsverfahrens um ein umfassendes Monitoring der Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Nur so k\u00f6nne angesichts der neuen Erkenntnisse langfristig die Koexistenz der Landbauformen sichergestellt werden.<br><br>Ausgangspunkt der Studie: Immer h\u00e4ufiger m\u00fcssen Bio-Bauern feststellen, dass ihre konsequent nach den Richtlinien des \u00f6kologischen Landbaus erzeugten Produkte mit konventionellen Pestiziden belastet sind \u2013 und das selbst an Orten, die kilometerweit von konventionell bewirtschafteten Fl\u00e4chen entfernt sind. <br><br>Bei 99,6 Prozent von \u00fcber 2000 untersuchten Menschen lie\u00df sich im Urin das Ackergift Glyphosat nachweisen, so das Ergebnis der Studie \u203aUrinale 2015\u2039. Auch Menschen, die weit weg von landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen lebten, waren belastet, selbst wenn sie sich zum gro\u00dfen Teil \u203abio\u2039 ern\u00e4hrten. <br><br>Verteilen sich Pestizide wie Glyphosat, Pendimethalin und Prosulfocarb etwa ungewollt und unkontrolliert fl\u00e4chendeckend \u00fcber die gesamte Bundesrepublik? Um diesem Verdacht nachzugehen, gab das B\u00fcndnis f\u00fcr eine enkeltaugliche Landwirtschaft im Fr\u00fchjahr 2018 eine Studie in Auftrag. Um den R\u00fcckst\u00e4nden auf die Spur zu kommen, entnahmen die Forscherinnen und Forscher des unabh\u00e4ngigen B\u00fcros TIEM Integrierte Umwelt\u00fcberwachung GbR an 47 unterschiedlichen Standorten in der Bundesrepublik Proben. <br><br>Mithilfe eines genau definierten Verfahrens wurde jeweils eine d\u00fcnne Schicht aus der \u00e4u\u00dferen Rinde von mehreren B\u00e4umen an einem Standort entnommen und in aufwendigen Verfahren auf mehr als 500 unterschiedliche Pestizidwirkstoffe untersucht. <br><br>\u203aDie \u00e4u\u00dfere Baumrinde ist den Schadstoffen in der Luft ausgesetzt. Bedingt durch die Verwitterung hat Baumrinde, \u00e4hnlich wie Aktivkohle, eine gro\u00dfe innere Oberfl\u00e4che und akkumuliert sowohl gas- als auch partikelgebundene Substanzen. Rinde besteht zudem aus nicht mehr aktivem Abschlussgewebe, das anders als zum Beispiel in Bl\u00e4ttern, keine Wachstums- und Stoffwechselprozesse mehr aufweist. Daher gilt die \u00e4u\u00dfere Rinde wissenschaftlich als nahezu idealer Bio-Akkumulator\u2039, erkl\u00e4rt Diplom-Biologin Dr. Maren Kruse-Pla\u00df von TIEM, die die Studie vorstellte. Finanziert wurde die ambitionierte Untersuchung mit Unterst\u00fctzung aus der Bio-Branche und Gesellschaft: Privatpersonen und Unternehmen \u00fcbernahmen Standort-Patenschaften. <br><br>Drei unterschiedliche Wege stehen im Verdacht, f\u00fcr die durch die Studie nachgewiesene weitfl\u00e4chige Verteilung verantwortlich zu sein. Erstens: das feine Spray verteilt sich w\u00e4hrend des Spritzvorgangs selbst \u2013 so lassen sich Kontaminationen auf benachbarten Fl\u00e4chen plausibel erkl\u00e4ren. Zweitens: Nach dem Ausbringen verdunsten Pestizidwirkstoffe und werden gasf\u00f6rmig mit dem Wind verteilt. Drittens: Durch Bodenerosion werden Partikel, an denen Pestizidr\u00fcckst\u00e4nde haften, mit dem Wind fortgeweht. Dieser Verbreitungsweg k\u00f6nnte insbesondere die durch die Studie belegten Kontaminationen durch nicht-fl\u00fcchtige Ackergifte, wie zum Beispiel Glyphosat, erkl\u00e4ren, insbesondere wenn die Fundstellen weit von behandelten Fl\u00e4chen entfernt liegen.<br><br> \u203aWenn sich Pestizidr\u00fcckst\u00e4nde bis in die letzten Winkel des Landes und der Welt ausbreiten, dann gef\u00e4hrdet das nicht \u203anur\u2039 den \u00f6kologischen Landbau. Es besch\u00e4digt den guten Ruf der Land- und Lebensmittelwirtschaft insgesamt und untergr\u00e4bt das Vertrauen der B\u00fcrger in Wirtschaft und Beh\u00f6rden\u2039, stellt Heike Kirsten, Vorstand des B\u00fcndnis enkeltaugliche Landwirtschaft e. V., fest. \u203aDie Ergebnisse dieser ersten umfassenden Studie zur Pestzidverwehung f\u00fcr Deutschland zeigen, wie notwendig unabh\u00e4ngige Forschung ist\u2039, findet Dr. Niels Kohlsch\u00fctter, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Schweisfurth Stiftung und Koordinator des B\u00fcndnisses. <br><br>Im M\u00e4rz finden in den am B\u00fcndnis beteiligten Bio-M\u00e4rkten bundesweit Aktionen statt, mit denen Spenden f\u00fcr weitere Forschung gesammelt werden sollen. Konkret ist f\u00fcr 2019 bereits eine Studie in Zusammenarbeit mit dem Umweltinstitut M\u00fcnchen in geplant. <br><br>B\u00fcndnis f\u00fcr eine enkeltaugliche Landwirtschaft e. V.<br>Das B\u00fcndnis f\u00fcr eine enkeltaugliche Landwirtschaft e. V. ist ein Zusammenschluss von Bio-Herstellern und Bio-H\u00e4ndlern. Gemeinsam machen sie sich daf\u00fcr stark, dass auch zuk\u00fcnftige Generationen noch unbelastete Lebensmittel zu sich nehmen k\u00f6nnen. <br><a href=\"http:\/\/ www.enkeltauglich.bio\"> www.enkeltauglich.bio<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der BioFach 2019 pr\u00e4sentierte das B\u00fcndnis f\u00fcr eine enkeltaugliche Landwirtschaft die bisher umfassendste Studie f\u00fcr Deutschland zur Verbreitung von Pestiziden \u00fcber die Luft. Mittels Luftg\u00fcte-Rindenmonitoring wurden B\u00e4ume an 47 unterschiedlichen Standorten bundesweit untersucht. 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