{"id":13918,"date":"2018-03-14T06:06:09","date_gmt":"2018-03-14T05:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=13918"},"modified":"2018-03-26T16:02:01","modified_gmt":"2018-03-26T14:02:01","slug":"weine-aus-dem-norden-auf-der-prowein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=13918","title":{"rendered":"Weine aus dem Norden auf der ProWein"},"content":{"rendered":"<p>Autoren: Stuart Pigott\/Paula Sidore<\/p>\n<p>In diesem Fachartikel erkl\u00e4ren uns die Weinexperten geologische, klimatische und kulturelle Gegebenheiten beim Weinanbau in Nordeuropa.<\/p>\n<p>Im Hohen Norden existiert keine imposante Mauer aus Eis, welche die Grenzen des Weinanbaus definiert. Die Realit\u00e4t ist deutlich banaler \u2013 eine wissenschaftliche Unterscheidung zwischen dem \u201eUnwirtlichen\u201c und dem, was als \u201eCool Climate\u201c gilt, als k\u00fchle Weinbauzone. Und diese Grenze verschiebt sich st\u00e4ndig. Die allgemeine \u00d6ffentlichkeit und auch viele Vertreter der Weinbranche sind sich dessen aber nicht wirklich bewusst. Die einzige Mauer existiert in unseren K\u00f6pfen und es ist an der Zeit, sie einzurei\u00dfen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13919\" aria-describedby=\"caption-attachment-13919\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/ProWein_FachartikelPigott.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13919\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/ProWein_FachartikelPigott.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/ProWein_FachartikelPigott.jpg 750w, https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/ProWein_FachartikelPigott-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13919\" class=\"wp-caption-text\">Copyright: Paula Sidore<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im 20. Jahrhundert galt der 50. n\u00f6rdliche Breitengrad als effektive n\u00f6rdliche Grenze des experimentellen und kommerziellen Weinbaus. Diese Grenze hat sich inzwischen weiter nach Norden verschoben \u2013 und nicht nur wegen des Klimawandels. Weinproduzenten verf\u00fcgen heute \u00fcber die entsprechende Technik, Faktoren wie Reifezeiten besser zu verstehen, und kultivieren Hybride, die besser an die strengen Verh\u00e4ltnisse angepasst sind \u2013 so wird der Weinbau in der N\u00e4he des 55. n\u00f6rdlichen Breitengrads (England) und des 58. n\u00f6rdlichen Breitengrads (D\u00e4nemark) praktikabel. Wahrscheinlich geht es bald noch weiter gen Norden, zum 60. n\u00f6rdlichen Breitengrad (Oslo\/Norwegen).<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in den klassischen k\u00fchlen Weinbauzonen wie Nordfrankreich und Deutschland werden inzwischen konsistent reife Jahrg\u00e4nge gelesen (das in allen deutschen Weinbaugebieten in einem Jahrgang gr\u00fcne Aromen weit verbreitet waren, war im Jahr 1987!) In Nordamerika wird in allen 50 Bundesstaaten kommerziell Wein produziert \u2013 selbst in den verschneiten Staaten, die wir aus Filmen und Serien wie FARGO kennen. Im Folgenden ein paar Beispiele f\u00fcr Regionen, in denen es inzwischen erfolgreiche Anpflanzungen gibt, obwohl man das vor nur 20 Jahren f\u00fcr unm\u00f6glich gehalten h\u00e4tte.<\/p>\n<p><!--more-->England<br \/>\nWeinreben respektieren geologische Grenzen eher als politische. Um die aufstrebenden Weinregionen zu verstehen, ist es daher wichtig auch genauer zu betrachten, was unter der Erdoberfl\u00e4che geschieht \u2013 nicht nur dar\u00fcber. Im Fall von Gro\u00dfbritannien formt das gleiche geologische Becken die ber\u00fchmten wei\u00dfen Klippen von Dover und nahegelegene H\u00e4nge in Kent und Sussex, auf denen Wein abgebaut wird, das auch der Champagne den charakteristischen kalkhaltigen Boden verleiht. Mit verbesserter Technologie und Temperaturen in S\u00fcdengland, die inzwischen denen entsprechen, die in den 1980ern in der Champagne gemessen wurden, erlaubte es die l\u00e4ngere Wachstumssaison dem Vereinigten K\u00f6nigreich als bedeutender Akteur auf dem Markt f\u00fcr Qualit\u00e4tsschaumwein einzusteigen.<\/p>\n<p>Laut der Vereinigung der englischen Weinproduzenten, der EWP (English Wine Producers), hat das Vereinigte K\u00f6nigreich in den letzten 10 Jahren einen Anstieg von 135% erlebt, was die Anzahl der gepflanzten Reben betrifft (insgesamt 1821 ha), sowie einen st\u00e4ndigen Anstieg im Verkauf von englischem Wein \u2013 sowohl auf dem heimischen Markt als auch im Ausland. Laut Stephen Skelton, MW und Regionalvorsitzender bei den Decanter World Awards 2017, wurden 2017 so viele Weinreben in England gepflanzt, wie in noch keinem Jahr zuvor. W\u00e4hrend die gr\u00f6\u00dferen, bereits gut etablierten Akteure wie Nyetimber und Ridgeview weiterhin exzellente Premium-Schaumweine produzieren, machen sich auch eine steigende Anzahl von Neulingen einen Namen. Da sind zum Beispiel Camel Valley aus Cornwall mit von Honigaromen gepr\u00e4gtem Stil oder Hush Heath, die mit der floralen Intensit\u00e4t ihrer preisgekr\u00f6nten Ros\u00e9s begeistern. Oder testen Sie die breite Range von Englands gr\u00f6\u00dftem Winzer, Denbies Wine Estate (Halle 9, Stand B39). Und wenn Sie weitere Argumente brauchen, um sich \u00fcberzeugen zu lassen: Das renommierte franz\u00f6sische Champagnerhaus Taittinger (H12, E07\u201315) hat viel in englisches Land investiert (40 ha) \u2013 die ersten Reben wurden 2017 angepflanzt. Und auch andere Champagnerh\u00e4user haben hier investiert.<\/p>\n<p>Polen<br \/>\nDie Weinbautradition Polens geht bis auf das 9. Jahrhundert zur\u00fcck, aber die Kombination einer Reihe politischer Vorkommnisse und Naturereignisse im 18. Jahrhundert zwangen den Weinbau in die Knie. Gl\u00fccklicherweise erlebt die k\u00e4lteste Weinbauregion (A) der EU seit etwa den letzten zehn Jahren eine bl\u00fchende Renaissance, mit hunderten Amateur-Pflanzungen und der robusten Anzahl von 197 offiziell eingetragenen kommerziellen Weing\u00fctern (verglichen mit lediglich 6 St\u00fcck im Jahr 2008). Ein gro\u00dfer Teil des aktuellen Erfolgs in diesem harten kontinentalen Klima kann krankheits- und frostresistenten Hybridreben wie Solaris und Seyval Blanc zugeschrieben werden, steigenden Temperaturen und der vermehrten Expertise, da Winzer und Kellermeister auf Reisen modernen Methoden der Weinproduktion in Europa und weltweit begegnen.<\/p>\n<p>Es bleibt zwar noch eine Reihe von Herausforderungen \u2013 angefangen mit dem strengen Klima und den hohen Produktionskosten \u2013 es sieht aber ganz danach aus, als k\u00f6nnten die polnischen Weine bald aus ihrer Nische und dem Markt der Kuriosit\u00e4ten heraustreten, um zu einem der echten Akteure im Neuen Norden zu werden. Winnica Turnau (H15, K62) ist zum Beispiel so ein Kandidat. Der Produzent aus dem Nordwesten Polens bewirtschaftet 28 ha, vor allem Solaris und Johanniter Reben, und produziert Weine mit klarer Frucht und eleganter Harmonie. Die Produkte von Winnica Plochocki, aus dem Zentrum Polens, sind schon lange die Messlatte f\u00fcr das, was polnische Weine erreichen k\u00f6nnen. Und in den letzten Jahren hebt das Weingut Rebsorten und Methoden hervor, die f\u00fcr diese Region einzigartig sind.<\/p>\n<p>D\u00e4nemark<br \/>\nD\u00e4nemark war das erste der skandinavischen L\u00e4nder, das mit der Weinproduktion begann. Heute werden auf \u00fcber 100 Weinbergen frostresistente Hybriden wie Cabernet Cortis, deren Beeren eine besonders dunkle Schale haben, und die nach Blaubeeren duftende Sorte Rondo angebaut. Oernberg in Sjaelland produziert zum Beispiel meisterhafte S\u00fc\u00dfweine, die h\u00e4ufig mit deutschen Auslesen verglichen werden, sowie trockenen und sehr kr\u00e4ftige Weine der Rebsorte Solaris, mit den Aromen tropischer Fr\u00fcchte.<\/p>\n<p>Um das Konzept eines Neuen Nordens zu akzeptieren, muss man traditionellen Annahmen jedoch mit einer gewissen Offenheit gegen\u00fcberstehen \u2013 angefangen mit der Grunddefinition von Wein an sich. In D\u00e4nemark und den anderen skandinavischen L\u00e4ndern hat man sich traditionell auf die Produktion fruchtbasierter Weine konzentriert und in den vergangenen 15 Jahren ist daraus eine beeindruckende neue Gattung entstanden.<\/p>\n<p>Obstwein von der Cold Hand Winery (H7, D15) zeigen zum Beispiel regelm\u00e4\u00dfig Raffinesse und Balance mit einem erkennbaren d\u00e4nischen Stil. \u201eEs wird noch viel passieren\u201c sagt Billy Wagner, Eigent\u00fcmer von Nobelhart &amp; Schmutzig (1 Michelin Stern) und seit erster Stunde Bef\u00fcrworter eines neuen Zeitalters der Obstweine. Das liege gr\u00f6\u00dftenteils daran, dass \u201ees sich so landwirtschaftlich wieder lohnen kann. Durch die Veredlung wird nicht nur das Gut Traube, sondern auch Rharbarber, Quitte, Apfel, Kirsche, Birne mit Achtung vor Historie und Landschaft hochwertig angebaut.\u201c<\/p>\n<p>Die Auswirkungen beschr\u00e4nken sich nicht nur auf Europa. L\u00e4nder, in denen es m\u00f6glich ist, Weinberge immer n\u00e4her Richtung Polarkreis anzupflanzen, etwa Chile, Argentinien und Neuseeland, scheinen zu den Hauptgewinnern des Klimawandels zu geh\u00f6ren. Und die L\u00e4nder, in denen das nicht m\u00f6glich ist, wie zum Beispiel S\u00fcdafrika, werden sich in den n\u00e4chsten Jahren ernsthaften Herausforderungen gegen\u00fcber sehen. Es ist kein Zufall, dass k\u00fchlere Ecken von Regionen wie der C\u00f4te Chalonnaise im Burgund\/Frankreich (Domaine Faiveley (H11 \/ J36) und die Saar im Weinbaugebiet Mosel\/Deutschland (Weingut Van Volxem (H13 \/ C110) in aktuellen Jahrg\u00e4ngen wie 2015 und 2016 hervorragende Ergebnisse erzielen konnten, in denen gute Reife und herausragende Qualit\u00e4t der Trauben die gr\u00fcnen Aromen und herbe (Apfel-)S\u00e4ure ersetzen, die noch eine Generation zuvor gang und g\u00e4be waren.<\/p>\n<p>Allerdings wird der Aufstieg des Neuen Nordens im Alten S\u00fcden durch eine Krise gespiegelt. Traditionell warme Weinbauregionen wie Bordeaux und Chianti werden in den kommenden Jahren mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit mit D\u00fcrre und himmelhohen Alkoholwerten zu k\u00e4mpfen haben und nicht l\u00e4nger mit zu geringen Reifegraden, wie noch vor 40 Jahren und davor. F\u00fcr \u201ehei\u00dfe\u201c Regionen wie La Mancha in Spanien besteht die Gefahr, dass der Weinbau dort nicht \u00fcberleben kann \u2013 sowohl aufgrund des Klimawandels als auch ver\u00e4nderten Marktanforderungen (die Nachfrage nach billigen trockenen Wei\u00dfweinen der Sorte Airen ist stark zur\u00fcckgegangen). Man muss sich mit temperaturresistenten Rebsorten anpassen \u2013 oder man hat verloren. Wie w\u00e4re es, Sie \u00f6ffnen eine Flasche Wein aus dem Neuen Norden, w\u00e4hrend Sie darauf warten, dass die Reben wachsen.<\/p>\n<p>Weitere Informationen:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.prowein.com\">www.prowein.com<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autoren: Stuart Pigott\/Paula Sidore In diesem Fachartikel erkl\u00e4ren uns die Weinexperten geologische, klimatische und kulturelle Gegebenheiten beim Weinanbau in Nordeuropa.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":13919,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[4775],"tags":[6162,6163,2726,2481,6164,3854,6161],"class_list":["post-13918","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wein","tag-cool-climate","tag-daenemark","tag-england","tag-norden","tag-polen","tag-wein","tag-weinanbau"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/ProWein_FachartikelPigott.jpg","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13918","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=13918"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13918\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14115,"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/13918\/revisions\/14115"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/13919"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=13918"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=13918"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=13918"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}