{"id":13621,"date":"2018-01-16T06:06:09","date_gmt":"2018-01-16T05:06:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=13621"},"modified":"2018-01-08T12:37:00","modified_gmt":"2018-01-08T11:37:00","slug":"kein-rot-bei-nutella-foodwatch-kritisiert-geplante-naehrwert-ampel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=13621","title":{"rendered":"Kein Rot bei Nutella? foodwatch kritisiert geplante N\u00e4hrwert-Ampel"},"content":{"rendered":"<p>Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Pl\u00e4ne von sechs gro\u00dfen Lebensmittelkonzernen f\u00fcr eine eigene EU-weite N\u00e4hrwert-Ampel scharf kritisiert. Das unter anderem von Nestl\u00e9 und Coca-Cola vorgeschlagene System, das auf der Vorderseite der Verpackung den Gehalt der wichtigsten N\u00e4hrwerte in Ampelfarben zeigen soll, habe viel zu lasche Kriterien und sei irref\u00fchrend: Selbst bei S\u00fc\u00dfigkeiten wie Nutella, das zu rund 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht, oder fettig-salzigen Snacks wie Tuc-Crackern w\u00fcrde die Ampel nicht auf Rot springen. Das ist das Ergebnis eines Ampel-Vergleichstests der Verbraucherorganisation.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13622\" aria-describedby=\"caption-attachment-13622\" style=\"width: 750px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/foodwatch_TUC.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-13622\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/foodwatch_TUC.jpg\" alt=\"\" width=\"750\" height=\"500\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13622\" class=\"wp-caption-text\">Foto: foodwatch<\/figcaption><\/figure>\n<p>&#8222;Was f\u00fcr ein fieses Lobby-Man\u00f6ver: Nestl\u00e9, Coke &amp; Co. kapern die eigentlich sinnvolle Idee einer verbraucherfreundlichen N\u00e4hrwertkennzeichnung und f\u00fchren sie mit ihrer Pseudo-Ampel ad absurdum: Anstatt Zuckerbomben und fettige Snacks zu entlarven, l\u00e4sst die Industrie-Ampel die Produkte ges\u00fcnder aussehen, als sie es in Wahrheit sind. Das darf nicht zum europ\u00e4ischen Standard werden&#8220;, kritisierte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch. Die Verbraucherorganisation forderte eine EU-weit verpflichtende N\u00e4hrwertkennzeichnung in Ampelfarben auf der Verpackungsvorderseite. Die Kriterien sollten jedoch nicht von der Industrie selbst, sondern von unabh\u00e4ngigen Expertinnen und Experten bestimmt werden.<\/p>\n<p><!--more-->Die Lebensmittelkonzerne Coca-Cola, Mars, Mondelez, Nestl\u00e9, PepsiCo und Unilever hatten k\u00fcrzlich ihre genauen Pl\u00e4ne f\u00fcr eine eigene N\u00e4hrwert-Ampel vorgestellt. Im Gegensatz zu dem erstmals 2007 von der britischen Lebensmittelbeh\u00f6rde FSA konzipierten Original-Ampelsystem zeigt die Industrie-Kennzeichnung allerdings deutlich weniger rote Ampeln. Selbst eine S\u00fc\u00dfigkeit wie Nutella von Ferrero w\u00fcrde keine rote Ampel erhalten. Mit dem System der FSA bek\u00e4me Nutella hingegen drei rote Ampeln, die auf einen hohen Gehalt an Fett, ges\u00e4ttigten Fetts\u00e4uren und Zucker hinweisen. Auch Tuc-Cracker des Herstellers Mondelez h\u00e4tten mit dem Industrie-Modell statt zwei \u00fcberhaupt keine rote Ampel. \u00c4hnlich bei den Nesquik-Fr\u00fchst\u00fccksflocken von Nestl\u00e9: Auch hier w\u00fcrde durch das Modell der gro\u00dfen Lebensmittelkonzerne die rote Ampel f\u00fcr den hohen Zuckergehalt verschwinden. Weitere Produktbeispiele wie Chips und Schokoriegel zeigt foodwatch in einem Recherchedokument und in einer Fotostrecke.<\/p>\n<p>Grund f\u00fcr die geringere Anzahl roter Ampeln ist ein Trick: Die Originalampel der FSA berechnet die Ampelfarbe auf Grundlage von einheitlich 100 Gramm. Sie springt zum Beispiel beim Zuckergehalt auf Rot, sobald ein Produkt mehr als 15 Prozent Zucker enth\u00e4lt. Im Gegensatz dazu berechnet die Industrie-Ampel die Farbgebung auf Basis von Portionsgr\u00f6\u00dfen. Bei allen Portionen bis zu 60 Gramm zeigt die Industrie-Ampel erst dann Rot, wenn mehr als 13,5 Gramm Zucker in einer Portion enthalten sind. Bei Fr\u00fchst\u00fccksflocken mit einer 40-Gramm-Portion ist dies erst bei einem Zuckergehalt von mehr als 33,7 Prozent der Fall. Bei dem Industriemodell muss also in Fr\u00fchst\u00fccksflocken mehr als doppelt so viel Zucker enthalten sein wie beim Originalmodell, bevor die Ampel auf Rot springt. Ein s\u00fc\u00dfer Brotaufstrich wie Nutella mit einer vorgesehenen Portionsgr\u00f6\u00dfe von 15 Gramm m\u00fcsste demnach zu mehr als 90 Prozent aus Zucker bestehen, damit die Ampel Rot zeigt.<\/p>\n<p>Noch im Jahr 2010 verhinderte die Lebensmittelwirtschaft infolge einer beispiellosen Lobbykampagne erfolgreich eine EU-weit verbindliche Ampelkennzeichnung f\u00fcr den N\u00e4hrwertgehalt bei verarbeiteten Lebensmitteln. \u00c4rzteverb\u00e4nde, Krankenkassen und Verbraucherorganisationen forderten damals die Umsetzung des Modells der britischen FSA: F\u00fcr jedes Produkt sollte der Gehalt an den wichtigsten N\u00e4hrwerten (Fett, ges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren, Zucker und Salz) in absoluten Grammzahlen angegeben werden &#8211; und zwar einheitlich pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter. Zur Orientierung sollte jeder dieser vier Werte mit einer der bekannten Signalfarben Rot, Gelb und Gr\u00fcn hinterlegt werden. Die Industrie entwarf hingegen f\u00fcr die Verpackungsvorderseite ein eigenes, sogenanntes GDA-Modell (Guideline Daily Amounts), das oft auf unrealistisch kleinen Portionsgr\u00f6\u00dfen basiert und in Prozentangaben Anteile am selbstgew\u00e4hlten &#8222;Richtwert f\u00fcr die Tageszufuhr&#8220; f\u00fcr verschiedene N\u00e4hrwerte angibt. Das Europ\u00e4ische Parlament stimmte 2010 gegen die Einf\u00fchrung der Ampelkennzeichnung und \u00fcbernahm das GDA-Modell der Industrie. Mittlerweile haben jedoch zwei EU-L\u00e4nder, Frankreich und Gro\u00dfbritannien, eine farbige N\u00e4hrwertkennzeichnung auf freiwilliger Basis eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&#8222;Die Lebensmittelwirtschaft steht massiv unter Druck: Immer mehr Regierungen nehmen die Lebensmittelfirmen mit gesetzlichen Vorgaben in die Pflicht, um der Fettleibigkeits-Epidemie etwas entgegen zu setzen. Dass die gro\u00dfen Konzerne nun eine Pseudo-Ampel aus dem Boden stampfen, ist der dreiste Versuch, eine wirklich verbraucherfreundliche N\u00e4hrwert-Kennzeichnung zu verhindern. Mit ihrer neuen Initiative pr\u00e4sentieren sich die Lebensmittelriesen als Teil der L\u00f6sung &#8211; doch in Wahrheit sind sie Kern des Problems&#8220;, erkl\u00e4rte Oliver Huizinga von foodwatch.<\/p>\n<p>Seit Ende 2016 gilt f\u00fcr alle verpackten Lebensmittel in der EU eine Pflicht zur Kennzeichnung der N\u00e4hrwerte Fett, ges\u00e4ttigte Fette, Kohlenhydrate, Zucker, Eiwei\u00df und Salz. Au\u00dferdem muss \u00fcber den Energiegehalt informiert werden. Die Angaben m\u00fcssen sich jeweils auf 100 Gramm bzw. Milliliter beziehen. Diese Angabe darf allerdings im Kleingedruckten auf der R\u00fcckseite der Verpackung erfolgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verbraucherorganisation foodwatch hat die Pl\u00e4ne von sechs gro\u00dfen Lebensmittelkonzernen f\u00fcr eine eigene EU-weite N\u00e4hrwert-Ampel scharf kritisiert. 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