{"id":12695,"date":"2017-09-04T06:06:46","date_gmt":"2017-09-04T04:06:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=12695"},"modified":"2017-08-30T12:17:24","modified_gmt":"2017-08-30T10:17:24","slug":"foodwatch-entlarvt-sieben-zucker-mythen-von-lebensmittelindustrie-und-fuehrenden-politikern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/?p=12695","title":{"rendered":"foodwatch entlarvt sieben &#8222;Zucker-Mythen&#8220; von Lebensmittelindustrie und f\u00fchrenden Politikern"},"content":{"rendered":"<p>Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker hat versucht, Politiker des Deutschen Bundestags mit Falschaussagen zu beeinflussen. Damit geht die Zuckerlobby erneut gegen gesundheitspolitische Initiativen vor, die einen R\u00fcckgang des Zuckerkonsums zur Folge h\u00e4tten. Seit Jahren fordern Mediziner im Kampf gegen \u00dcbergewicht und Fehlern\u00e4hrung gesetzliche Ma\u00dfnahmen wie Werbeverbote, eine verbesserte N\u00e4hrwertkennzeichnung und Sondersteuern f\u00fcr Zuckergetr\u00e4nke.<\/p>\n<p>In einem Rundschreiben vom 27. April 2017 erkl\u00e4rte der Lobbyverband der Zuckerwirtschaft etwa, dass &#8222;die Deutschen heute nicht mehr, sondern eher weniger Kalorien aufnehmen als fr\u00fcher&#8220;. Trotz Nachfrage durch die Verbraucherorganisation foodwatch konnte der Verband diese Aussage jedoch nicht belegen. Laut der Ern\u00e4hrungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist die Kalorienaufnahme in Deutschland seit den 1960er-Jahren deutlich angestiegen, auch die EU-Kommission und die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) best\u00e4tigen dies. foodwatch startete heute eine E-Mail-Aktion unter <a href=\"http:\/\/mailings.foodwatch.de\/c\/28147291\/e1ce87233ed0f-ovhoyp\">www.zucker.foodwatch.de<\/a>, in der sie den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker, G\u00fcnter Tissen, auffordert, die Falschaussage nicht zu wiederholen und von den Internetseiten des Verbands zu l\u00f6schen.<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Foodwatch_Zuckerabgabe_Canvas.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-8556\" src=\"https:\/\/www.tuttiisensi.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Foodwatch_Zuckerabgabe_Canvas.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" \/><\/a><\/em><\/p>\n<p>&#8222;Die Zuckerindustrie verh\u00e4lt sich wie fr\u00fcher die Tabak-Konzerne: Mit Falschaussagen werden die Gefahren der Produkte verschleiert und unliebsame politische Initiativen verhindert. Jetzt bel\u00fcgt die Lobby sogar Abgeordnete des Deutschen Bundestags, um ihr Gesch\u00e4ftsmodell zu verteidigen&#8220;, sagte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen von foodwatch.<\/p>\n<p><!--more-->foodwatch kritisierte, dass in der Debatte um \u00dcbergewicht und Zucker zahlreiche Mythen verbreitet werden. Das trifft sowohl auf f\u00fchrende Vertreter der Lebensmittelwirtschaft als auch auf Spitzenpolitiker wie Bundesern\u00e4hrungsminister Christian Schmidt zu. foodwatch ver\u00f6ffentlichte heute ein Papier mit den sieben gr\u00f6\u00dften &#8222;Zucker-Mythen&#8220;:<\/p>\n<p>Mythos 1: &#8222;Der Mensch hat einen Zuckerbedarf.&#8220;<br \/>\nBundesern\u00e4hrungsminister Christian Schmidt behauptete in einer ARD-Talkshow, dass &#8222;jeder Mensch Zucker&#8220; brauche. Tatsache ist: Es gibt keinen Bedarf, Zucker als Lebensmittel aufzunehmen. Das menschliche Gehirn ben\u00f6tigt zwar eine bestimmte Menge an Glukose am Tag. Der K\u00f6rper ist jedoch in der Lage, diese Glukose beispielsweise aus St\u00e4rke aufzuspalten, die etwa in Brot und Nudeln enthalten ist.<\/p>\n<p>Mythos 2: &#8222;Zuckergetr\u00e4nke machen nicht dick.&#8220;<br \/>\nZwischen dem Konsum zuckerges\u00fc\u00dfter Erfrischungsgetr\u00e4nke und \u00dcbergewicht &#8222;besteht keine Kausalit\u00e4t&#8220;, sagt die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getr\u00e4nke (wafg). Das ist falsch: Es herrscht ein breiter wissenschaftlicher Konsens dar\u00fcber, dass ein erh\u00f6hter Konsum zuckerges\u00fc\u00dfter Getr\u00e4nke die Entstehung von \u00dcbergewicht f\u00f6rdert &#8211; sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Zahlreiche medizinische Fachgesellschaften teilen diese Auffassung, darunter die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die British Medical Association und die internationale Adipositas Gesellschaft &#8222;World Obesity&#8220;.<\/p>\n<p>Mythos 3: &#8222;Der Zuckerverbrauch ist konstant.&#8220;<br \/>\nDie Lebensmittellobby behauptet, dass die Absatzzahlen f\u00fcr Zucker seit Jahrzehnten konstant seien. Deshalb k\u00f6nne Zucker gar keine wesentliche Ursache f\u00fcr den Anstieg von \u00dcbergewicht sein. Doch das ist nicht richtig: Zwar ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Haushaltszucker (Saccharose) seit etwa 1985 konstant bei 30 bis 35 kg im Jahr. Doch diese Statistik l\u00e4sst andere Zuckerarten au\u00dfen vor, darunter Glukose, deren Verbrauch sich in den vergangenen f\u00fcnf Jahrzehnten mehr als versechsfacht hat. Insgesamt ist der Pro-Kopf-Verbrauch der Zuckerarten Saccharose, Isoglukose, Glukose und Honig im Zeitraum von 1960 bis 2012 um mehr als 30 Prozent gestiegen.<\/p>\n<p>Mythos 4: &#8222;Ern\u00e4hrungsbildung ist das beste Mittel gegen \u00dcbergewicht.&#8220;<br \/>\nErn\u00e4hrungsbildung &#8222;schon im Kindesalter&#8220; sei &#8222;das beste Gegenmittel&#8220; gegen Fehlern\u00e4hrung und die gesundheitlichen Folgen, so der Bund \u00d6kologische Lebensmittelwirtschaft (B\u00d6LW). \u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich auch Christoph Minhoff, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Spitzenverbands der Lebensmittelwirtschaft (BLL). Fakt ist: Nach Auswertung zahlreicher Studien kommt Professor Manfred James M\u00fcller, einer der Vorstandssprecher des staatlich gef\u00f6rderten Kompetenznetzes Adipositas, zu dem Schluss, dass mit Ern\u00e4hrungsbildung die H\u00e4ufigkeit von \u00dcbergewicht bei Kindern lediglich um ein Prozent gesenkt werden kann. &#8222;Diese Strategie ist gescheitert, die steigende Zahl chronisch Kranker zeigt dies deutlich&#8220;, folgert die Deutsche Allianz Nicht\u00fcbertragbare Krankheiten (DANK), ein Zusammenschluss aus 17 medizinisch-wissenschaftlichen Fachorganisationen. Sie fordert stattdessen, eine gesunde Lebensweise zu erleichtern, beispielsweise durch eine \u00c4nderung des Lebensmittelangebots, der Kennzeichnung oder des Marketings an Kinder.<\/p>\n<p>Mythos 5: &#8222;Wir nehmen heute nicht mehr, sondern weniger Kalorien auf als fr\u00fcher.&#8220;<br \/>\n&#8222;Die Deutschen nehmen heute nachweislich nicht mehr Kalorien auf als fr\u00fcher&#8220;, so G\u00fcnter Tissen, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ). Daten der Ern\u00e4hrungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zeigen allerdings: Die Kalorienaufnahme in Deutschland ist seit den 1960er-Jahren deutlich angestiegen. Zu diesem Schluss kommen auch die EU-Kommission und die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).<\/p>\n<p>Mythos 6: &#8222;Lebensmittelsteuern zeigen nicht die gew\u00fcnschte Wirkung.&#8220;<br \/>\nIst eine Zuckersteuer oder eine Hersteller-Abgabe auf \u00fcberzuckerte Getr\u00e4nke ein Mittel gegen \u00dcbergewicht? F\u00fchrende Politiker meinen &#8222;Nein&#8220;. Die &#8222;Erfahrungen in anderen L\u00e4ndern&#8220; zeigten, dass &#8222;Strafsteuern auf zucker-, fett- und salzhaltige Produkte bzw. Verbote keinen nachhaltigen Erfolg&#8220; h\u00e4tten, so Gitta Connemann, stellvertretende Vorsitzende der CDU\/CSU-Bundestagsfraktion. Doch das Gegenteil stimmt: In Mexiko, Finnland, Berkeley oder auch Frankreich ging der Zuckergetr\u00e4nke-Konsum nach Einf\u00fchrung einer Limo-Steuer zur\u00fcck. In Ungarn \u00e4nderten 40 Prozent der Hersteller nach Einf\u00fchrung einer Steuer ihre Rezepturen. Es sei bewiesen, so die WHO, dass eine 20-prozentige Sondersteuer einen etwa 20-prozentigen R\u00fcckgang im Konsum zur Folge hat.<\/p>\n<p>Mythos 7: &#8222;Jeder ist selbst f\u00fcr sein Gewicht verantwortlich. Wer staatliches Handeln fordert, h\u00e4lt die Verbraucher f\u00fcr unm\u00fcndig&#8220;<br \/>\n&#8222;Verantwortung f\u00fcr seine Gesundheit hat jeder selbst&#8220;, sagt Bundesern\u00e4hrungsminister Christian Schmidt. Was logisch klingt, hat einen Haken: Wir leben in einer Welt, die dick macht. Es wird uns erschwert, die gesunde Wahl zu treffen. Die fr\u00fchere Generaldirektorin der WHO, Margaret Chan, hat dies in einer Rede im Jahr 2013 auf den Punkt gebracht: &#8222;Kein einziger Staat hat es geschafft, die Fettleibigkeits-Epidemie in allen Altersgruppen zu stoppen. Hier mangelt es nicht an individueller Willenskraft. Hier mangelt es am politischen Willen, sich mit einer gro\u00dfen Industrie anzulegen.&#8220;<\/p>\n<p>Rund ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland &#8211; 23 Prozent der M\u00e4nner und 24 Prozent der Frauen &#8211; ist laut Robert-Koch-Institut fettleibig (BMI \u2265 30). Adipositas bei Kindern sowie Erwachsenen hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Das verursacht nicht blo\u00df individuelles Leiden der Betroffenen, sondern auch erhebliche gesamtgesellschaftliche Kosten: Allein durch Adipositas entstehen in Deutschland j\u00e4hrlich etwa 63 Milliarden Euro Folgekosten. Die WHO und die OECD sprechen von einer &#8222;globalen Adipositas-Epidemie&#8220;. Ein Zusammenschluss von deutschen Fachgesellschaften warnt vor einem &#8222;Tsunami chronischer Krankheiten&#8220;, denn Adipositas erh\u00f6he nachweislich das Risiko f\u00fcr die Entstehung von zahlreichen chronischen Krankheiten, darunter Herzkrankheiten, Typ-2-Diabetes sowie diverse Krebsarten.<\/p>\n<p>Link:<br \/>\n&#8211; E-Mail-Aktion an Zucker-Lobby:\u00a0<a href=\"http:\/\/mailings.foodwatch.de\/c\/28147291\/e1ce87233ed0f-ovhoyp\">www.zucker.foodwatch.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Quellen und weiterf\u00fchrende Informationen:<\/strong><strong><br \/>\n<\/strong>&#8211; Sieben Mythen zu Zucker und \u00dcbergewicht mit detaillierten Quellenangaben: <a href=\"http:\/\/mailings.foodwatch.de\/c\/28146682\/e1ce87233ed0f-ovhoyp\">www.zucker-mythen.foodwatch.de<\/a><br \/>\n&#8211; E-Mail des Zuckerverbands an Abgeordnete des Ern\u00e4hrungsausschusses im Bundestag sowie darauf folgender Schriftwechsel mit foodwatch: <a href=\"http:\/\/mailings.foodwatch.de\/c\/28141146\/e1ce87233ed0f-ovhoyp\">tinyurl.com\/y8fbrue6<\/a><br \/>\n&#8211; Zucker Infodienst 02\/2017 des Zuckerverbands:\u00a0<a href=\"http:\/\/mailings.foodwatch.de\/c\/28141147\/e1ce87233ed0f-ovhoyp\">tinyurl.com\/y8ycoglt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wirtschaftliche Vereinigung Zucker hat versucht, Politiker des Deutschen Bundestags mit Falschaussagen zu beeinflussen. 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